6. Aktionsplan AMTS (2026-2029)
Nachdem das Bundeskabinett am 1. April 2026 den 6. Aktionsplan AMTS beschlossen hat, wurde er vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) veröffentlicht.
Pressemitteilung des BMG: “Bundeskabinett beschließt Aktionsplan für Arzneimitteltherapiesicherheit”
Elektronische Patientenakte und E-Rezept als neue Rahmenbedingungen für die AMTS
Die Digitalisierung verändert die Patientenversorgung grundlegend und eröffnet neue Möglichkeiten für mehr AMTS. Digitale Anwendungen wie E‑Rezept, elektronische Patientenakte (ePA), elektronische Medikationsliste und insbesondere der elektronische Medikationsplan (eMP) ermöglichen einen sektorenübergreifenden Austausch relevanter Gesundheitsdaten und bilden die Basis für einen digital gestützten Medikationsprozess. Gleichzeitig bringen sie neben großen Chancen auch neue Herausforderungen für den sicheren Medikationsprozess mit sich.
Neue digitale Prozesse müssen sorgfältig bewertet werden, um klinisch relevante Hinweise zu erkennen und potenzielle Fehlerquellen frühzeitig zu vermeiden. Besonders wichtig ist dabei die Klärung von Verantwortlichkeiten und die Weiterentwicklung der interprofessionellen Zusammenarbeit im digital gestützten Medikationsprozess.
AMTS im digital gestützten Medikationsprozess
Maßnahme [1]
Erarbeitung und Bekanntmachung von Handlungsempfehlungen zum digital gestützten Medikationsprozess (dgMP) zur Sicherstellung eines aktuellen, vollständigen und patientenorientierten Medikationsplans
a) Erfassung des aktuellen Standes der interprofessionellen Zusammenarbeit im Kontext der Medikationsplanerstellung und -aktualisierung unter Berücksichtigung bereits im Aktionsplan erarbeiteter Ergebnisse sowie weiterer Modellprojekte im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen.
b) Implementierung eines regelmäßigen „Jour Fixe dgMP“ zur strukturierten Abstimmung und Weiterentwicklung fachlicher Inhalte im Expertenkreis.
c) Durchführung eines Expertentreffens zur Bekanntmachung der erarbeiteten Handlungsempfehlungen.
Maßnahme [2]
Beschreibung des evidenzbasierten Soll-Prozesses der Verordnung von Arzneimitteln zur Gewährleistung von AMTS, notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sowie resultierenden Anforderungen an digitale Unterstützung des Medikationsprozesses.
Die Maßnahme umfasst vier Komponenten:
a) Delphi-Verfahren: Konsensbildung und Beschreibung des evidenzbasierten Soll-Prozess bei der Verordnung von Arzneimitteltherapie zur Gewährleistung von AMTS in einem mehrstufigen Delphi-Verfahren, sowie die Ableitung erforderlicher Voraussetzungen und resultierender Anforderungen an den dgMP durch die Kommission für Arzneimitteltherapiemanagement und Arzneimitteltherapiesicherheit der DGIM.
b) Diskussion und Weiterentwicklung der Ergebnisse des Delphi-Verfahrens: Diskussion der Beschreibung des Soll-Prozesses zur Verordnung von Arzneimitteltherapie mit weiteren Stakeholdern, u. a. Vertreterinnen und Vertretern der BÄK, der KBV, der ABDA, der Pflegeberufe (u. a. DPR, LPK, VdPB), der gematik und des BMG.
c) Workshop: Präsentation und Diskussion der Ergebnisse in der Koordinierungsgruppe.
d) Bekanntmachung: Verschriftlichung der Ergebnisse und Veröffentlichung.
Maßnahme [3]
Durchführung einer Umfrage zum sektorenübergreifenden Medikationsmanagement
a) Durchführung einer Umfrage zum sektorenübergreifenden Medikationsmanagement bei Aufnahme von Patientinnen und Patienten in die stationäre Versorgung.
b) Durchführung einer Umfrage zum sektorenübergreifenden Entlassmanagement gemäß §39 Absatz 1a SGB V an der Schnittstelle stationär-ambulant als interprofessionelle
Aufgabe, unter Einsatz digitaler Anwendungen wie eMP und E-Rezept.Maßnahme [4]
Erprobung des elektronischen Medikationsplans (eMP) in der Praxis hinsichtlich Akzeptanz und Praktikabilität (Finanzierungsvorbehalt)
Maßnahme [5]
Analyse Pädiatrie-spezifischer Anforderungen an den Medikationsplan und Ableitung von Optimierungsbedarfen (Finanzierungsvorbehalt)

Weiterentwicklung der AMTS-Kompetenzen
Die Weiterentwicklung der AMTS‑Kompetenzen von Heilberufen und Pflegefachpersonen ist ein zentrales Anliegen des Aktionsplans AMTS. Strukturierte Ansätze zur Weiterentwicklung von AMTS-Kompetenzen sollen dabei helfen, die Patientensicherheit in der Arzneimittelversorgung weiter zu verbessern.
AMTS-Stewardship
Maßnahme [6]
Entwicklung eines Konzeptpapiers zur strukturierten Einführung von AMTS-Stewardship in Deutschland
Maßnahme [7]
Survey zur Potenzialabschätzung von AMTS-Stewardship in Deutschland
Maßnahme [8]
Symposium zur Umsetzung von AMTS-Stewardship in Deutschland (Finanzierungsvorbehalt)
Maßnahme [9]
Erarbeitung einer Handlungsempfehlung zur Umsetzung von AMTS-Stewardship in Deutschland
Deprescribing und Erweiterung von AMTS-Kompetenzen
Maßnahme [10]
Durchführung eines wissenschaftlichen Symposiums zu dem Thema „Polymedikation und Deprescribing“
Maßnahme [11]
Erarbeitung von Handreichungen zum Absetzen der Arzneimitteltherapie (Deprescribing) als Maßnahme zur Reduktion der Medikationskomplexität und Verbesserung der AMTS
Maßnahme [12]
Förderung und Weiterentwicklung der ärztlichen Kompetenzen zur Verordnung von Arzneimitteln

Erschließung und Nutzung von Gesundheitsdaten für ausgewählte AMTS-Fragestellungen
Die Förderung und Weiterentwicklung der AMTS-Forschung ist essenziell, um Erkenntnisse hinsichtlich der AMTS-Risiken zu gewinnen, Lösungsansätze zu erarbeiten und deren erfolgreiche Implementierung in die Praxis zu erproben und zu evaluieren. Eine zentrale Grundlage dafür ist die umfassende Auswertung AMTS‑relevanter Daten.
Die Wirksamkeit von AMTS‑Maßnahmen sollte unter realen Versorgungsbedingungen messbar sein, um ihren tatsächlichen Nutzen beurteilen zu können. So lässt sich erkennen, ob Interventionen die gewünschte Wirkung erzielen und welche Ansätze sich als Best Practice eignen. Gleichzeitig helfen Evaluationsergebnisse dabei, personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen gezielt zur Verbesserung der AMTS einzusetzen.
Sensibilisierung für Medikationsfehler
Maßnahme [13]
Erhöhung der Spontanmelderate und Analyse von Medikationsfehlern über die breite Nutzung des ADKA-Datenbank-Moduls DokuPIK 2.0 durch Apothekerinnen und Apotheker im Krankenhaus als Dateninfrastruktur
Medikationsmanagement durch Krankenhausapothekerinnen und Krankenhausapotheker
Maßnahme [14]
Durchführung der DokuPIK 2.0-Interventionswoche
Messung der Effekte von AMTS-Maßnahmen
Maßnahme [15]
Entwicklung einer Forschungsmethodik zur Effektmessung von AMTS-Maßnahmen aus Routinedaten (Finanzierungsvorbehalt)
Maßnahme [16]
Durchführung eines Expertentreffens zur Erarbeitung von messbaren, populationsbezogenen AMTS-Zielen auf Grundlage von Gesundheitsdaten mit dem Ziel, eine AMTS-Berichterstattung aufzubauen
Maßnahme [17]
Durchführung einer interprofessionellen AMTS-Initiative „Gemeinsam für mehr Sicherheit“ anhand eines ausgewählten AMTS-Risikos mit folgenden Teilschritten
a) Initialer Workshop zur Identifikation eines besonders relevanten AMTS-Risiko
b) Entwicklung von Handlungsempfehlungen und Durchführung eines Kommunikationskonzeptes
c) Gemeinsame Auftaktveranstaltung und Durchführung
d) Evaluation und kontinuierliche Verbesserung

Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Fortschreibung
Maßnahme [18]
Begleitung des Welttags für Patientensicherheit durch die Koordinierungsgruppe, ggf. mit konzertierter Pressearbeit
Maßnahme [19]
Durchführung des „7. Deutschen Kongresses für AMTS“ (Finanzierungsvorbehalt)
Maßnahme [20]
Förderung eines wissenschaftlichen Sekretariats der Koordinierungsgruppe sowie Begleitkosten (Finanzierungsvorbehalt)





