Arzneiverordnung in der Praxis (AVP): Ausgabe 1 / 2026 jetzt online
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In dieser Ausgabe stehen mehrere praxisrelevante Schwerpunkte im Mittelpunkt – von Pharmakovigilanz über chronische Erkrankungen bis hin zu modernen Therapieentscheidungen. Im Fokus steht die Bedeutung von Meldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Die Zahl der Meldungen sinkt seit Jahren, obwohl sie essenziell für die Patientensicherheit sind. Anhand realer Fälle – von Colchicin-Überdosierung bis Agranulozytose unter Metamizol – wird deutlich, wie Meldungen konkrete regulatorische Maßnahmen auslösen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erfassung von Medikationsfehlern: Verschiedene Meldesysteme existieren parallel, doch eine zentrale Zusammenführung fehlt, obwohl jährlich bis zu 250.000 Krankenhausaufnahmen auf vermeidbare Fehler zurückgehen könnten.
Therapeutisch beleuchtet die Ausgabe unter anderem den Wandel in der Behandlung des Vorhofflimmerns. Während Ablationen häufiger und früher eingesetzt werden, zeigt die Evidenz, dass ein prognostischer Vorteil nur entsteht, wenn ein stabiler Sinusrhythmus erreicht wird – unabhängig vom Verfahren. Beim Typ-1-Diabetes rückt die S3-Leitlinie die individualisierte Versorgung in den Mittelpunkt: CGM ist Standard, AID-Systeme verbessern die Stoffwechselkontrolle und psychosoziale Faktoren beeinflussen Therapieentscheidungen zunehmend. Beim schweren Asthma werden Biologika differenziert nach Biomarkern, Phänotyp und Komorbiditäten eingesetzt; bei Kindern gelten altersabhängige Besonderheiten.
Besorgniserregend ist der deutliche Anstieg von Antidepressiva- und Antipsychotikaverordnungen bei Jugendlichen. Pandemieeffekte, lange Wartezeiten auf Psychotherapie sowie ein Off-Label-Einsatz spielen eine Rolle, während Risiken wie Suizidalität oder metabolische Nebenwirkungen besondere Aufmerksamkeit erfordern. Die Neubewertung von Promethazin führte zu einer erweiterten Kontraindikation unter sechs Jahren, da zentrale und potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen häufiger auftreten als bisher angenommen.
Ein Beitrag zur evidenzbasierten Medizin zeigt, warum relative Risikoreduktionen allein irreführend sein können und absolute Risikoreduktionen sowie NNT für klinische Entscheidungen unverzichtbar sind. Die AkdÄ berichtet zudem über ihre Beteiligung an Nutzenbewertungsverfahren im Jahr 2025 und die zunehmende Bedeutung von Vergleichstherapie- und PICO-Beratungen.
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Das unabhängige und evidenzbasierte Arzneimittelbulletin der AkdÄ „Arzneiverordnung in der Praxis (AVP)“ richtet sich an alle Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudierende, die aktuelle Entwicklungen in der rationalen Arzneimitteltherapie, Arzneimittelsicherheit und Arzneimitteltherapiesicherheit verfolgen wollen. AVP ist Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB).