Abemaciclib
Handelsname: Verzenios®
- Anwendungsgebiet
(Stand: Januar 2026)
- Mammakarzinom im Frühstadium, HR-positiv, HER2-negativ, nodal-positiv:
in Kombination mit einer endokrinen Therapie für die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen/Patienten mit einem hohen Rezidivrisiko. Bei prä-/perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Aromatasehemmer-Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden. - lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom, HR-positiv, HER2-negativ:
bei Frauen in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie. Bei prä-/perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden.
- Mammakarzinom im Frühstadium, HR-positiv, HER2-negativ, nodal-positiv:
- Neues Anwendungsgebiet: Mammakarzinom, HR+, HER2-, Frühstadium mit hohem Rezidivrisiko, Adjuvanz, Kombination mit endokriner Therapie
Stellungnahme der AkdÄ (22.08.2022)
Fazit der AkdÄ*
Die eingereichten Daten für die Beurteilung von Abemaciclib in der vorliegenden Indikation lassen insgesamt keine umfassende, abschließende Bewertung zu.
Die Nachbeobachtungszeit ist noch zu kurz. Beim Gesamtüberleben zeigt sich bisher kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Therapiearmen. Die Relevanz des bisher deutlichen Unterschieds der Rezidivrate wird erst nach längerer Nachbeobachtung beurteilbar sein. Unstrittig ist die deutlich höhere Toxizität im Abemaciclib-Arm. Es fehlen belastbare Daten zu Symptomatik, Gesundheitszustand und gesundheitsbezogener Lebensqualität.
Unter diesen Aspekten kann zum jetzigen Zeitpunkt durch die eingereichten Daten ein Zusatznutzen in keiner der drei Fragestellungen belegt werden. Die AkdÄ schlägt eine Befristung des Beschlusses auf zwei Jahre vor und eine erneute Bewertung, sobald reifere Daten eine bessere Beurteilung ermöglichen.
*Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.G-BA: Unterlagen zur Nutzenbewertung (Beginn des Verfahrens: 01.05.2022)
- Neubewertung nach Fristablauf: Mammakarzinom, HR+, HER2-, Kombination mit Aromatasehemmer
Stellungnahme der AkdÄ (24.04.2023)
Fazit der AkdÄ*
Die AkdÄ sieht für postmenopausale Patientinnen mit HR-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die noch keine initiale endokrine Therapie erhalten haben, einen Beleg für einen geringen Zusatznutzen von Abemaciclib + Anastrozol oder Letrozol im Vergleich zu Anastrozol oder Letrozol.
Die AkdÄ stimmt der Bewertung des IQWiG nicht zu. Die vorgelegten Daten zu Morbidität, Lebensqualität und Toxizität führen zwar zu einer Verringerung des Ausmaßes des Zusatznutzens für Abemaciclib, aber aus dem in der Studie MONARCH 3 gezeigten verlängerten Gesamtüberleben (OS) unter einer Behandlung von Abemaciclib + Anastrozol oder Letrozol im Vergleich zu Anastrozol oder Letrozol lässt sich ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen ableiten. Die Daten aus der Studie MONARCH plus zu dem nicht verlängerten OS unter einer Therapie von Abemaciclib + Anastrozol oder Letrozol im Vergleich zu Anastrozol oder Letrozol sind noch zu unreif, um eine endgültige Bewertung abzugeben. Bei gleichem Vorteil wie in der Studie MONARCH 3 hinsichtlich des OS bei einem späteren Datenschnitt könnte der Zusatznutzen für Abemaciclib auch beträchtlich sein. Weiterhin ist in die Bewertung des Zusatznutzens von Abemaciclib einzubeziehen, dass in der Subgruppe der Patientinnen < 65 Jahre Nebenwirkungen seltener auftreten.
*Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.
G-BA: Unterlagen zur Nutzenbewertung (Beginn des Verfahrens: 01.01.2023)
- Neubewertung nach Fristablauf: Mammakarzinom, HR+, HER2–, Frühstadium mit hohem Rezidivrisiko, Adjuvanz, Kombination mit endokriner Therapie
Stellungnahme der AkdÄ (22.06.2023)
Fazit der AkdÄ*
Aus Sicht der AkdÄ besteht zumindest bei prämenopausalen Patientinnen mit HR-positivem, HER2-negativem, nodal-positivem Mammakarzinom im frühen Stadium mit einem hohen Rezidivrisiko für die adjuvante Behandlung mit Abemaciclib ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Bei postmenopausalen Patientinnen ergibt sich nur ein sehr schwacher Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
Betrachtet man die publizierten Daten, so lässt sich zusammenfassen, dass sich über die Gesamtpopulation hinweg eine Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) zeigt. Diese ist auch für die prämenopausale Population für sich genommen signifikant. Die absolute Risikoreduktion liegt jedoch nur in einer Größenordnung von wenigen Prozent (etwa 3 % nach sechs Jahren bei den prämenopausalen Frauen). Hinzu kommen jedoch eine geringere Zahl an Patientinnen mit metastasierter Erkrankung im Abemaciclib-Arm (Gesamtrate Überleben ohne Fernmetastasierung innerhalb sechs Jahren bei den prämenopausalen Frauen 15 % vs. 20 %). Kritisch zu betrachten ist für die Bewertung des OS, dass nur gut 50 % der Frauen im Vergleichsarm bei progredienter Erkrankung einen CDK4/6-Inhibitor erhielten. Dieser Punkt ist wesentlich – klarere Daten könnten rechtfertigen, dass insbesondere Patientinnen mit einem weniger hohen Ausgangsrisiko erst in der zweiten Linie mit einem CDK4/6-Inhibitor behandelt werden und damit vielen Patientinnen die zusätzlichen Belastungen der Therapie mit Abemaciclib erspart werden könnten. In einer Publikation aus der Studie finden sich zum Teil hohe Nebenwirkungsinzidenzen unter Abemaciclib, wie Diarrhoe bei 83,3 %, Fatigue bei 40,6 %, Erbrechen bei 17,6 % und Übelkeit bei 29,5 % der Patientinnen. Das sind für zwei Jahre Dauertherapie potenziell erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität. Bei ca. 49,7 % der Patientinnen traten weiterhin schwere Nebenwirkungen CTCAE Grad 3 oder höher auf unter Abemaciclib (nur 16,3 % im Arm mit endokriner Therapie [ET-Arm]), und während Blutbild-Veränderungen alleine als häufigste Nebenwirkungen für viele Patientinnen nicht spürbar sind, traten auch vermehrt Infektionen auf (51,2 % Abemaciclib vs. 39,4 % ET).
Da sich im härtesten klinischen Endpunkt – dem OS – zumindest für prämenopausale Patientinnen, nach neoadjuvanter Chemotherapie, < 65 Jahre, einem ECOG-Status von 0, einer Primär-Tumorgröße < 20 mm, > 9 befallenen Lymphknoten, Progesteron-Rezeptor negativ, unter Tamoxifen, ein OS-Vorteil bei erhaltener Lebensqualität – bis auf Diarrhoen – zeigt, ist für die Therapie mit Abemaciclib ein Nutzen trotz Nebenwirkungen erkennbar. Allerdings erlaubt die Qualität der Daten im Dossier des pU keine Quantifizierung des Zusatznutzens, so dass aus Sicht der AkdÄ in dieser Indikation ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen besteht.n.*Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.
G-BA: Unterlagen zur Nutzenbewertung (Beginn des Verfahrens: 01.03.2026)