Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen aufgrund von PSUR Single Assessment-Verfahren

Drug Safety Mail 2026-12

Die wissenschaftliche Bewertung von regelmäßig aktualisierten Berichten zur Unbedenklichkeit von Arzneimitteln (Periodic Safety Update Reports, PSURs) kann zur Änderung von Fach- und Gebrauchsinformationen führen. Im Februar 2026 setzte das BfArM in diesem Zusammenhang folgende Beschlüsse um:

Cytarabin

Zusammenfassung des Risikos

Ergänzungen der Nebenwirkung:
neutrophile ekkrine Hidradenitis mit der Häufigkeit „nicht bekannt“, 
Erythem des Ohrs („Ara-C-Ohren“) mit der Häufigkeit „nicht bekannt“.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 11.12.2025

Isotretinoin

Zusammenfassung des Risikos

Ergänzungen der Nebenwirkungen:
akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) mit der Häufigkeit „nicht bekannt“, 
Analfissur mit der Häufigkeit „nicht bekannt“.

Akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP):
Die Patienten sollten über die Anzeichen und Symptome dieser schweren kutanen Arzneimittelreaktionen informiert und angewiesen werden, beim Auftreten entsprechender Symptome umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Wenn bei einem Patienten eine schwere kutane Arzneimittelreaktion wie SJS, TEN oder AGEP im Zusammenhang mit der Anwendung von Isotretinoin aufgetreten ist, darf die Behandlung mit Isotretinoin bei diesem Patienten zu keinem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 11.12.2025

Linezolid

Zusammenfassung des Risikos

Ergänzungen der Nebenwirkungen:
Hypoglykämie mit der Häufigkeit „gelegentlich“, 
schwarze Haarzunge mit der Häufigkeit „selten“.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.8 Nebenwirkungen

Beschluss der CMDh* vom 11.12.2025

Nefopam

Zusammenfassung des Risikos

Ergänzung der Nebenwirkung:
Arzneimittelabhängigkeit.

Die Anwendung von Nefopam kann zu einer Arzneimittelabhängigkeit führen, insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Substanzkonsum und/oder psychischen Erkrankungen. Bei diesen Patienten sollte Nefopam mit Vorsicht verordnet und auf Anzeichen einer Abhängigkeit geachtet werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh vom 11.12.2025

Testosteron (topische Anwendung)

Zusammenfassung des Risikos

Patienten sollte empfohlen werden, stets Kleidung zu tragen, die die Applikationsstelle bedeckt, um eine versehentliche Übertragung auf andere Personen und Haustiere zu verhindern.

Die gleichzeitige Anwendung von Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT-2) während der Testosteronersatztherapie wurde mit einem erhöhten Erythrozytoserisiko in Verbindung gebracht. Da beide Substanzen unabhängig voneinander die Hämatokritwerte erhöhen können, ist eine kumulative Wirkung möglich (siehe auch Abschnitt 4.4). Die Überwachung des Hämatokrit- und Hämoglobinspiegels wird bei Patienten empfohlen, die beide Behandlungen erhalten.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.2 Art der Anwendung
4.5 Wechselwirkungen

Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission vom 30.01.2026

Tranexamsäure

Zusammenfassung des Risikos

Intravenöse Darreichungsformen:
Tranexamsäure darf nur intravenös verabreicht werden und darf nicht intrathekal oder epidural angewendet werden (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).
Um das Risiko tödlicher Medikationsfehler aufgrund einer falschen Art der Anwendung von Tranexamsäure zu verringern, wird dringend empfohlen, die Spritzen, die Tranexamsäure enthalten, zu kennzeichnen (siehe Abschnitte 4.3, 4.4 und 6.6).

Alle Darreichungsformen von Tranexamsäure:
Ergänzung der Nebenwirkungen:
fixes Arzneiexanthem mit der Häufigkeit „nicht bekannt“, 
akute Nierenrindennekrose mit der Häufigkeit „nicht bekannt“. 

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.2 Art der Anwendung 
4.3 Gegenanzeigen
4.4 Warnhinweise
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

*CMDh: Coordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human

Im Rahmen ihrer Pharmakovigilanzverpflichtungen müssen Zulassungsinhaber PSURs vorlegen. Substanzen, die auf der sogenannten EURD-Liste gelistet sind, und bestimmte Kombinationen werden in einem zentral gesteuerten und für die gesamte EU geltenden Verfahren durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der europäischen Arzneimittel-Agentur bewertet (PSUR Single Assessment, PSUSA). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus PSUSA-Verfahren führen zu einer regelmäßigen Bewertung des aktuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Arzneimitteln und können unter anderem Änderungen der Fach- und Gebrauchsinformationen bedingen.

Weitere Informationen zu den Verfahren finden Sie auf der Webseite des BfArM.