Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen aufgrund von PSUR Single Assessment-Verfahren

Drug Safety Mail 2026-09

Die wissenschaftliche Bewertung von regelmäßig aktualisierten Berichten zur Unbedenklichkeit von Arzneimitteln (Periodic Safety Update Reports, PSURs) kann zur Änderung von Fach- und Gebrauchsinformationen führen. Im Januar 2026 setzte das BfArM in diesem Zusammenhang folgende Beschlüsse um:

Amlodipin / Atorvastatin

Zusammenfassung des Risikos

Bei gleichzeitiger Verabreichung von HMG-CoA-Reduktasehemmern (z. B. Atorvastatin) und Daptomycin kann das Risiko einer Myopathie und/oder Rhabdomyolyse erhöht sein. Wenn eine gleichzeitige Verabreichung unvermeidbar ist, wird zu einer angemessenen klinischen Überwachung geraten. Zudem wird lichenoide Arzneimittelreaktion in den Nebenwirkungen mit der Häufigkeit 
„selten“ aufgenommen.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Clomipramin

Zusammenfassung des Risikos

Kataplexie: Bei Patienten mit Kataplexie kann es bei abruptem Absetzen zu einer Verschlimmerung der Kataplexie-Symptome einschließlich Status cataplecticus kommen.
Schwangerschaft: Daten aus schwedischen Gesundheitsregistern zu 1029 Frauen, die im ersten Trimester mit Clomipramin behandelt wurden, deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko für kongenitale Anomalien insgesamt bei den Kindern hin. Das Risiko für Herzfehlbildungen war jedoch erhöht (Risiko von 2/100 gegenüber 1/100 in der Allgemeinbevölkerung). Die stärkste Assoziation wurde für Ventrikel- oder Vorhofseptumdefekte festgestellt.
Unter Nebenwirkungen werden Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz mit der Häufigkeit „nicht bekannt“ ergänzt.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

Clozapin

Zusammenfassung des Risikos

Appendizitis: Unter Abschnitt 4.4 Besondere Warnhinweise unter „Anticholinerge Effekte“ sowie mit der Häufigkeit „nicht bekannt“ unter 4.8. Nebenwirkungen ergänzt.
„Hämatologische bösartige Erkrankungen“ werden aufgrund der Ergebnisse von epidemiologische Studien  mit der Häufigkeit „nicht bekannt“ unter 4.8. Nebenwirkungen ergänzt. 
DRESS (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms), das lebensbedrohlich oder tödlich sein kann, wurde im Zusammenhang mit Clozapin berichtet. Patienten sollten über die Anzeichen und Symptome von DRESS informiert und engmaschig überwacht werden.
Arzneimittelwechselwirkung: Die gleichzeitige Behandlung mit Clozapin und Valproinsäure kann das Risiko für eine Clozapin-induzierte Myokarditis erhöhen. Wenn eine gleichzeitige Anwendung von Clozapin mit Valproinsäure unerlässlich ist, ist eine sorgfältige Überwachung erforderlich.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss der CMDh* vom 13.11.2025

Codein / Paracetamol

Zusammenfassung des Risikos

Wechselwirkung zwischen Opioiden und Gabapentinoiden: Die gleichzeitige Anwendung kann zu Atemdepression, Hypotonie, starker Sedierung, Koma oder Tod führen. 
Codein kann eine Funktionsstörung und einen Spasmus des Sphinkter Oddi verursachen, wodurch das Risiko für biliäre Störungen und Pankreatitis steigt. Daher muss Codein/Paracetamol bei Patienten mit Pankreatitis und Erkrankungen der Gallenwege mit Vorsicht angewendet werden. 
Wie bei anderen Opioiden sollte im Falle einer unzureichenden Schmerzkontrolle nach Erhöhung der Codeindosis die Möglichkeit einer opioidinduzierten Hyperalgesie in Betracht gezogen werden. Eine Dosisreduktion oder Überprüfung der Behandlung kann erforderlich sein. 
Opioide können schlafbezogene Atemstörungen, einschließlich zentraler Schlafapnoe und schlafbezogener Hypoxämie, verursachen. Die Anwendung von Opioiden geht mit einer dosisabhängigen Erhöhung des Risikos für eine zentrale Schafapnoe einher. Bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe sollte eine Reduzierung der Opioidgesamtdosis in Betracht gezogen werden.
Toleranz und Opioidgebrauchsstörung (Missbrauch und Abhängigkeit): Die wiederholte Anwendung kann, auch in therapeutischer Dosierung, zu einer Arzneimittelabhängigkeit führen. Das Risiko für eine Arzneimittelabhängigkeit kann je nach individuellen Risikofaktoren des Patienten, Dosierung und Dauer der Opioidbehandlung variieren. Die Patienten müssen auf Anzeichen für ein Suchtverhalten (drug-seeking behaviour) überwacht werden.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.2 Dosierung / Art der Anwendung
4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh vom 13.11.2025

Metoprolol

Zusammenfassung des Risikos

Die gleichzeitige Anwendung von Betablockern und Sulfonylharnstoffen kann das Risiko einer schweren Hypoglykämie erhöhen. Blutzuckerspiegel sollten sorgfältig überwacht werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

Prazepam

Zusammenfassung des Risikos

Ältere Patienten: Prazepam sollte bei älteren Patienten aufgrund des Risikos einer Sedierung und/oder einer muskuloskelettalen Schwäche, die die Sturzgefahr erhöhen kann, mit Vorsicht angewendet werden. Ältere Patienten sollten eine reduzierte Dosis erhalten. 

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

Rifampicin

Zusammenfassung des Risikos

Rifampicin ist kontraindiziert bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die stark von seinem Potenzial zur Induktion von arzneimittelmetabolisierenden Enzymen und Transportern betroffen sind, wie z. B.: Lurasidon, Sofosbuvir, antiretrovirale Arzneimittel: Cabotegravir, Fostemsavir und Lenacapavir. Eine signifikante Abnahme ihrer Plasmakonzentrationen wird aufgrund der starken Induktion von CYP3A4, P-gp und UGT1A1 durch Rifampicin beobachtet, was wahrscheinlich zu einem Verlust ihrer therapeutischen Wirksamkeit führt.
Paradoxe Arzneimittelreaktionen: Nach anfänglicher Besserung der Tuberkulose unter Therapie mit Arzneimitteln zur Behandlung von Tuberkulose können sich die Symptome wieder verschlechtern. Bei den betroffenen Patienten wurde eine klinische oder radiologische Verschlechterung bestehender Tuberkuloseläsionen oder die Entwicklung neuer Läsionen festgestellt. Solche Reaktionen wurden innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn der Tuberkulosetherapie beobachtet. Die Kulturen sind in der Regel negativ, und solche Reaktionen deuten in der Regel nicht auf ein Therapieversagen hin. Die Patienten sollten angewiesen werden, bei einer Verschlechterung ihrer Symptome unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Die paradoxe Arzneimittelreaktion wird diagnositiziert, nachdem eine mangelhafte Therapietreue des Patienten, eine Arzneimittelresistenz, Nebenwirkungen einer Therapie gegen Tuberkulose und sekundäre bakterielle/mykotische Infektionen ausgeschlossen wurden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.3 Gegenanzeigen
4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

Rocuronium

Zusammenfassung des Risikos

Nach der Markteinführung wurden bei Patienten mit diagnostiziertem oder latentem Phäochromozytom Fälle von hypertensiver Krise beobachtet, die zeitlich mit der Verabreichung von Rocuronium zusammenhingen. Rocuronium sollte daher bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden. Zudem wurden in Berichten nach der Markteinführung  Überempfindlichkeitsreaktionen sowohl gegen Rocuronium als auch gegen den Rocuronium-Sugammadex-Komplex beobachtet.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

Selegelin

Zusammenfassung des Risikos

Keine gleichzeitige Anwendung in Kombination mit Serotonin-Agonisten (z. B. Sumatriptan, Naratriptan, Zolmitriptan, Rizatriptan, Lasmiditan) aufgrund des Risikos für schwerwiegende Interaktionen (die möglicherweise zu einem Serotoninsyndrom führen können). Als Nebenwirkung wird eine Störung der Impulskontrolle und zwanghaftes Verhalten mit der Häufigkeit „nicht bekannt“ aufgenommen.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.5 Wechselwirkungen
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 13.11.2025

*CMDh: Coordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human

Im Rahmen ihrer Pharmakovigilanzverpflichtungen müssen Zulassungsinhaber PSURs vorlegen. Substanzen, die auf der sogenannten EURD-Liste gelistet sind, und bestimmte Kombinationen werden in einem zentral gesteuerten und für die gesamte EU geltenden Verfahren durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der europäischen Arzneimittel-Agentur bewertet (PSUR Single Assessment, PSUSA). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus PSUSA-Verfahren führen zu einer regelmäßigen Bewertung des aktuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Arzneimitteln und können unter anderem Änderungen der Fach- und Gebrauchsinformationen bedingen.

Weitere Informationen zu den Verfahren finden Sie auf der Webseite des BfArM.