Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen aufgrund von PSUR Single Assessment-Verfahren

Drug Safety Mail 2026-02

Die wissenschaftliche Bewertung von regelmäßig aktualisierten Berichten zur Unbedenklichkeit von Arzneimitteln (Periodic Safety Update Reports, PSURs) kann zur Änderung von Fach- und Gebrauchsinformationen führen. Im Dezember 2025 setzte das BfArM in diesem Zusammenhang folgende Beschlüsse um:

Atenolol

Zusammenfassung des Risikos

Die gleichzeitige Anwendung von Betablockern mit Sulfonylharnstoffen könnte das Risiko einer schweren Hypoglykämie erhöhen. Diabetikern sollte geraten werden, ihre Blutzuckerspiegel sorgfältig zu überwachen.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.5 Wechselwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Botulinum-Toxin Typ A zur Injektion (Ph.Eur.) – außer zentral zugelassene Arzneimittel

Zusammenfassung des Risikos

Fälle von iatrogenen Botulismus wurden nach Injektion von Botulinumtoxinprodukten berichtet. Auf Symptome oder Anzeichen, die auf eine Ausbreitung der Botulinumtoxinwirkung hindeuten oder auf Symptome einer Überdosierung sollte geachtet werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.9 Überdosierung

Beschluss der CMDh* vom 18.09.2025

Botulinum-Toxin Typ A zur Injektion (Ph.Eur.), frei von Komplexproteinen

Zusammenfassung des Risikos

Fälle von iatrogenen Botulismus wurden nach Injektion von Botulinumtoxinprodukten berichtet. Auf Symptome oder Anzeichen, die auf eine Ausbreitung der Botulinumtoxinwirkung hindeuten oder auf Symptome einer Überdosierung sollte geachtet werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.9 Überdosierung

Beschluss der CMDh* vom 18.09.2025

Caspofungin

Zusammenfassung des Risikos

Verwendung während Nierenersatztherapie (RRT): Verwendung von Membranen auf Polyacrylnitrilbasis (z. B. während Hämofiltration oder Hämodiafiltration) kann zur Adsortion des Arzneimittels führen und möglicherweise die Wirksamkeit von Caspofungin reduzieren. Eine Dosiserhöhung kann den Effekt möglicherweise nicht verringern.
Es wird empfohlen, eine alternative extrakorpolare Membran oder ein anderes Antimykotikum zu verwenden. 
Das Risiko eines Versagens der Behandlung kann zu einer Verschlechterung der Infektion oder zum Tod führen.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise

Durchführungsbeschluss der EU-Kommission vom 21.11.2025

Codein

Zusammenfassung des Risikos

Risiko für Toleranz und Opioidgebrauchsstörung (Missbrauch und Abhängigkeit) für die Indikation "Husten": Patienten sollten auf die Risiken und Anzeichen einer
Opioidgebrauchsstöung hingewiesen werden. 
Zentrale Schlafapnoe (CSA): Risiko schlafbezogener Atemstörungen, einschließlich zentraler Schlafapnoe und schlafbezogener Hypoxämie. Bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe sollte eine Reduzierung der Opioidgesamtdosis in Betracht gezogen werden. Risiko einer opioidinduzierten Hyperalgesie: Eine Dosisreduktion oder Überprüfung der Behandlung kann erforderlich sein. Pankreatitis und Dysfunktion des Sphincter Oddi: Risiko für Funktionsstörungen des Sphincter Oddi und damit verbundenes Risiko für biliäre Störungen und Pankreatitis. Codein muss bei Patienten mit Pankreatitis und Erkrankungen der Gallenwege mit Vorsicht angewendet werden.
Wechselwirkungen mit Gabapentinoiden (Gabapentin und Pregabalin): Die gleichzeitige Anwendung von Codein-haltigen Arzneimitteln mit anderen das zentrale Nervensystem dämpfenden Arzneimitteln und Gabapentinoiden (Gabapentin und Pregabalin) kann zu Atemdepression, Hypotonie, starker Sedierung, Koma oder Tod führen.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.2 Dosierung und Art der Anwendung
4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Dorzolamid

Zusammenfassung des Risikos

Photophobie (Häufigkeit "nicht bekannt") unter Nebenwirkungen hinzugefügt.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Gabapentin

Zusammenfassung des Risikos

Exazerbation einer Myasthenia gravis: Gabapentin sollte bei Patienten mit Myasthenia gravis mit Vorsicht angewendet werden, da nach dem Inverkehrbringen Fälle von Exazerbation der Myasthenia gravis unter Gabapentin berichtet wurden.
Entzugssymptome nach Absetzen oder Dosisreduktion: Der Patient sollte zu Beginn der Behandlung hierüber informiert werden.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 16.10.2025

Natriumcitrat/Dodecyl(sulfoacetat)-Natriumsalz, 
Natriumcitrat/Dodecyl(sulfoacetat)-Natriumsalz/Sorbitol

Zusammenfassung des Risikos

Anaphylaktische Reaktion (Häufigkeit „nicht bekannt“) unter Nebenwirkungen hinzugefügt.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Prednison

Zusammenfassung des Risikos

Bei Patienten mit Hyperthyreose und Prednison-induzierter Hypokaliämie kann eine thyreotoxische periodische Paralyse (TPP) auftreten. Bei Patienten mit Anzeichen oder Symptomen einer Muskelschwäche, insbesondere bei Patienten mit Hyperthyreose, ist TPP in Betracht zu ziehen. Bei Verdacht auf TPP müssen Kaliumspiegel im Blut überwacht werden und eine geeignete Behandlung zur Normalisierung des Kaliumspiegels im Blut eingeleitet werden.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Propylthiouracil

Zusammenfassung des Risikos

Einige epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass die Anwendung von Propylthiouracil während der Schwangerschaft mit einem leicht erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen im Vergleich zu Frauen ohne Hyperthyreose assoziiert ist, während andere diese Assoziation nicht stützen. Das Risiko scheint jedoch in vergleichbarer Größenordnung wie bei Frauen mit unbehandelter manifester Hyperthyreose zu liegen.

Geänderter Abschnitt in der Fachinformation

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Trimethoprim

Zusammenfassung des Risikos

Schwere kutane Nebenwirkungen (SCARs) wie Steven-Johnson-Syndrom (SJS), toxische epidermale Nekrolyse (TEN) und Arzneimittelreaktionen mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), welche lebensbedrohend oder tödlich sein können. Auf Anzeichen und Symptome, die auf diese Reaktionen hinweisen, sollte geachtet werden. Trimethoprim ist sofort abzusetzen und eine alternative Behandlung in Erwägung zu ziehen. Sollten Patienten bei der Anwendung eine der geschilderten schweren kutanen Nebenwirkungen entwickelt haben, darf eine Behandlung mit Trimethoprim zu keinem Zeitpunkt erneut begonnen werden.
Trimethoprim ist während des ersten Trimesters der Schwangerschaft kontraindiziert. In Tierversuchen hat sich eine teratogene Wirkung gezeigt. Epidemiologische Studien zeigten ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte und angeborene Fehlbildungen (insbesondere Neuralrohrdefekte, Mundspalten und kardiovaskuläre Defekte). Im zweiten und dritten Trimester soll eine Anwendung vermieden werden, es sei denn, es ist klinisch notwendig.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.3 Gegenanzeigen
4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

Vancomycin

Zusammenfassung des Risikos

Hämolytische Anämie (Häufigkeit „nicht bekannt“), Alaninaminotransferase(ALT)- und Aspartataminotransferase(AST)-Erhöhungen (Häufigkeit „häufig“) unter Nebenwirkungen hinzugefügt.
Kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Effekte: Bei mit Vancomycin behandelten Patienten wurden Fälle des Kounis-Syndroms berichtet. Das Kounis-Syndrom beschreibt das Auftreten von kardiovaskulären Symptomen, die sekundär zu einer allergischen oder Hypersensitivitätsreaktion auftreten, mit einer Verengung der Koronararterien einhergehen und möglicherweise zu einem Myokardinfarkt führen können.

Geänderte Abschnitte in der Fachinformation

4.4 Warnhinweise
4.8 Nebenwirkungen

Beschluss des CMDh* vom 15.10.2025

*CMDh: Coordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human

Im Rahmen ihrer Pharmakovigilanzverpflichtungen müssen Zulassungsinhaber PSURs vorlegen. Substanzen, die auf der sogenannten EURD-Liste gelistet sind, und bestimmte Kombinationen werden in einem zentral gesteuerten und für die gesamte EU geltenden Verfahren durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der europäischen Arzneimittel-Agentur bewertet (PSUR Single Assessment, PSUSA). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus PSUSA-Verfahren führen zu einer regelmäßigen Bewertung des aktuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Arzneimitteln und können unter anderem Änderungen der Fach- und Gebrauchsinformationen bedingen.

Weitere Informationen zu den Verfahren finden Sie auf der Webseite des BfArM.