Pembrolizumab

Handelsname: Keytruda®

Anwendungsgebiet

Bei Erwachsenen

  • als Monotherapie zur Behandlung des fortgeschrittenen (nicht resezierbaren oder metastasierten) Melanoms
  • als Monotherapie zur Erstlinienbehandlung des metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (Tumor Proportion Score [TPS] ≥ 50 %) ohne EGFR oder ALK-positive Tumormutationen
  • in Kombination mit Pemetrexed und Platin-Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des metastasierten nicht-plattenepithelialen NSCLC ohne EGFR- oder ALK-positiven Tumormutationen
  • als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 1 %) nach vorheriger Chemotherapie. Patienten mit EGFR- oder ALK-positiven Tumormutationen sollten vor der Therapie mit Pembrolizumab ebenfalls eine auf diese Mutationen zielgerichtete Therapie erhalten haben
  • als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierenden oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphoms (HL) bei Erwachsenen nach Versagen einer autologen Stammzelltransplantation (auto-SZT) und einer Behandlung mit Brentuximab Vedotin (BV), oder nach Versagen einer Behandlung mit BV, wenn eine auto-SZT nicht in Frage kommt
  • als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms nach vorheriger Platin-basierter Therapie
  • als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms bei Patienten, die nicht für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind und deren Tumoren PD-L1 mit einem kombinierten positiven Score (CPS) ≥ 10 exprimieren
  • als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierten oder metastasierten Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region (HNSCC) mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 50 %) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung während oder nach vorheriger Platin-basierter Therapie(Stand: September 2018)

Stellungnahmen der AkdÄ

Nutzenbewertungs-
Verfahren
(Beginn)
Anwendungsgebiet

Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
Fazit der AkdÄ

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.
Stellungnahme der AkdÄ
(Stand)

fortgeschrittenes (nicht resezierbares oder metastasiertes) Melanom (Monotherapie)

Die AkdÄ empfiehlt für Fragestellung 2 (nicht vorbehandelte Patienten mit BRAF-V600-wt Tumor, ZVT: Ipilimumab) einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen festzulegen.

Für Fragestellungen 1 (vorbehandelte Patienten) und 3 (nicht vorbehandelte Patienten mit BRAF-V600-mut Tumor) ist ein Zusatznutzen aus Sicht der AkdÄ nicht belegt.

Es wird empfohlen, den Beschluss auf zwei Jahre zu befristen und nach Vorlage der endgültigen Studienergebnisse inklusive aussagekräftiger Sicherheitsdaten erneut zu bewerten.

lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes NSCLC (Monotherapie)

  • mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 1 %)
  • nach vorheriger Chemotherapie

Aus Sicht der AkdÄ besteht für Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC für

Fragestellung 1 (Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed oder Nivolumab angezeigt) bei Patienten (ECOG-PS 0–1) mit

  • PD-L1-Expression ≥ 50 % ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen
  • PD-L1-Expression 1–49 % ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

Fragestellung 2 (Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed oder Nivolumab nicht angezeigt) kein Zusatznutzen aufgrund nicht eingereichter Daten.

metastasiertes NSCLC (Monotherapie)

  • mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 50 %), ohne EGFR / ALK-positive Tumormutationen
  • Erstlinienbehandlung

Aus Sicht der AkdÄ besteht ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Pembrolizumab im Vergleich zu einer platinbasierten Chemotherapie als Erstlinienbehandlung des metastasierten NSCLC bei erwachsenen Patienten mit Tumoren, die PD-L1 mit einem TPS von ≥ 50 % exprimieren und keine aktivierenden EGFR- oder ALK-Mutationen aufweisen.

rezidiviertes oder refraktäres klassisches Hodgkin-Lymphom (cHL) (Monotherapie)

  • nach Versagen von auto-SZT /Brentuximab-Vedotin-Behandlung

Aus Sicht der AkdÄ ist der Zusatznutzen von Pembrolizumab im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (ZVT) in der Indikation rezidiviertes oder refraktäres (r/r) klassisches Hodgkin-Lymphom (cHL) nicht belegt.

Die AkdÄ stimmt damit der Bewertung des IQWiG zu.

Für einen Zusatznutzen gegenüber der vom G-BA festgelegten ZVT – individuelle Therapie nach Maßgabe des Arztes unter Berücksichtigung der Zulassung und vorherigen Therapien – legt der pharmazeutische Unternehmer keine relevanten Daten vor. Aus Sicht der AkdÄ sind jedoch Checkpoint-Inhibitoren (z. B. Pembrolizumab) aufgrund der pathophysiologischen Befunde beim cHL eine künftig wichtige und vermutlich auch wirksame Therapieoption bei Patienten mit r/r cHL. Dringend benötigt werden aber aussagekräftige Ergebnisse aus weiteren – möglichst vergleichenden – klinischen Studien für eine erneute Bewertung des Zusatznutzens von Pembrolizumab in dieser Indikation.

rezidiviertes oder metastasiertes Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region (HNSCC) (Monotherapie)
- mit PD-L1 exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 50 %)
- Fortschreiten der Erkrankung während/nach vorheriger Platin-basierter Therapie

Aus Sicht der AkdÄ besteht für Pembrolizumab in der Indikation rezidivierte oder metastasierte PD-L1-positive (Tumor Proportion Score (TPS) ≥ 50 %) Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region (HNSCC) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung während oder nach vorheriger Platin-basierter Therapie ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen.
Bei strikter Einhaltung der formalen Vorgaben für die Bewertung – Berücksichtigung der Zulassung der zweckmäßigen Vergleichstherapie und der zulassungskonformen Teilpopulation – wäre der Zusatznutzen von Pembrolizumab bei HNSCC als nicht nachgewiesen anzusehen.
Die AkdÄ schließt sich dem Vorgehen des IQWiG bei der Bewertung des Zusatznutzens an, die nicht zulassungskonforme aber größere TPS-Teilpopulation als relevante Teilpopulation heranzuziehen. Aus Sicht der AkdÄ sollte allerdings diese Teilpopulation konsequenterweise nicht wie vom IQWiG nur qualitativ, sondern auch quantitativ berücksichtigt werden. Ausgehend von den statistisch signifikanten Ergebnissen für den Endpunkt Gesamtüberleben und unter Berücksichtigung des statistisch signifikanten Unterschieds für den Endpunkt immunvermittelte unerwünschte Ereignisse zuungunsten von Pembrolizumab zwischen den Behandlungsarmen in der TPS-Teilpopulation, besteht aus Sicht der AkdÄ ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen. Diese Bewertung gilt aber nur für Patienten der bewerteten Indikation, für die eine erneute (ggf. modifizierte) Platin-basierte Therapie keine Option mehr darstellt. Ob Patienten, die für eine erneute Platin-basierte Therapie infrage kommen, von der Behandlung mit Pembrolizumab profitieren, ist anhand der vorgelegten Daten der KEYNOTE-040-Studie nicht zu beurteilen.