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Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
AkdÄ News 2011-153
 
10.02.2011

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA und die US-amerikanische FDA schätzen den Nutzen von Avastin® (Bevacizumab) in der Brustkrebstherapie unterschiedlich ein

Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) bindet. Über die Neutralisierung von VEGF soll die Vaskularisierung von Tumoren reduziert, das vorhandene Tumorgefäßsystem normalisiert und die Bildung neuer Tumorgefäßsysteme gehemmt werden. Bevacizumab ist in Europa zugelassen zur Behandlung von fortgeschrittenen Karzinomen des Kolons, des Rektums, der Lunge, der Niere und der Brust.

Für die Behandlung von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs war Bevacizumab bislang in Kombination mit Docetaxel oder mit Paclitaxel zugelassen. Aufgrund neuer klinischer Daten wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Bevacizumab in der Brustkrebsbehandlung erneut geprüft.

Die EMA kommt in ihrer Bewertung zu dem Schluss, dass die Kombination von Paclitaxel mit Bevacizumab aufgrund einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um 5,5 Monate ohne negative Effekte auf das Gesamtüberleben in der E2100-Studie weiterhin empfohlen werden kann (1;2). Demgegenüber wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis sowohl der Kombination mit Docetaxel als auch mit Capecitabin (bislang nicht zugelassen) als ungünstig eingestuft.

Hingegen hat die FDA ein Verfahren eingeleitet, um die Zulassung von Bevacizumab zur Brustkrebsbehandlung komplett zurückzunehmen (3;4). Derzeit wird von der FDA geprüft, ob dem Hersteller von Avastin® die Möglichkeit einer öffentlichen Anhörung zu der geplanten Rücknahme eingeräumt werden soll (5). Die Zulassung der Kombination mit Paclitaxel erfolgte 2008 in einem beschleunigten Verfahren unter der Bedingung, dass weitere Belege zum klinischen Nutzen erbracht werden. Die FDA begründet ihre aktuelle Empfehlung damit, dass eine Verlängerung des Gesamtüberlebens in allen vier Studien zur Anwendung von Bevacizumab bei Brustkrebs nicht belegt werden konnte. Zwar bestätigte sich eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens durch Hinzufügen von Bevacizumab zu einer Standardchemotherapie. In den aktuell vorgelegten Daten sei diese jedoch geringer ausgefallen als in der E2100-Studie, die zur Zulassung geführt hatte. Die FDA führt weiter aus, dass bislang auch kein Nachweis einer relevanten Verbesserung oder Verzögerung krankheitsassoziierter Symptome bzw. patientenrelevanter Endpunkte, wie einer Verbesserung der Lebensqualität, erbracht worden sei. Die Erweiterung einer Standardchemotherapie um Bevacizumab führe hingegen zu einer Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen in Verbindung mit Bevacizumab zählen z. B. gastrointestinale Perforationen (6), Neutropenien, thromboembolische Ereignisse, Blutungen, Wundheilungsstörungen und arterielle Hypertonie. In einer kürzlich publizierten Metaanalyse war die Kombination von Bevacizumab mit einer Taxan- oder Platin-haltigen Chemotherapie gegenüber anderen Kombinationen mit einem erhöhten Risiko tödlich verlaufender unerwünschter Ereignisse verbunden (7).

Die AkdÄ hat sich bereits 2008 kritisch zur Zulassung für Bevacizumab in Kombination mit Paclitaxel bei metastasiertem Brustkrebs geäußert und teilt die Bedenken der FDA (8). Aus Sicht der AkdÄ sollte die in Europa weiterhin zugelassene Kombination bei Brustkrebs äußerst zurückhaltend eingesetzt werden. Die betroffenen Patientinnen sollten über den zu erwartenden geringen Nutzen und die seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgeklärt werden, bevor eine individuelle Entscheidung für diese Therapieoption getroffen wird.

Literatur

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