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I - Strategien zur Risikovermeidung (ambulant, stationär, sektorenübergreifend)

Kommunikation zwischen Apothekern und Ärzten bei potenziell schweren Arzneimittelinteraktionen

Abstract I-04
5. Deutscher Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie; Berlin, 18.–19. Oktober 2018

A. Pulst1, I. Justus2, G. Schmiemann1

1Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) Abt 1: Versorgungsforschung, Grazer Straße 4, 28359 Bremen, Deutschland
2Apothekerkammer Bremen, Eduard-Grunow-Str. 11, 28203 Bremen, Deutschland

Einleitung

Personen, die Arzneimittel durch mehrere Ärzte gleichzeitig verordnet bekommen, haben ein höheres Risiko für potenziell schwere Arzneimittelinteraktionen. Häufig werden diese in der Apotheke entdeckt und bedürfen einer schnellen Abklärung. Aufgrund der schwierigen telefonischen Erreichbarkeit der Ärzte wurde in einer Vorstudie eine Faxvorlage zur Meldung potenziell schwerer Arzneimittelinteraktionen entwickelt. Ziel der Beobachtungsstudie ist es, die Häufigkeit und Art der gemeldeten Interaktionen zu evaluieren.

Methoden

Die Faxvorlage wurde Hausärzten und Apothekern im Bundesland Bremen vorgestellt und für deren Nutzung geworben. Die Schwere der gemeldeten Interaktionen wurde durch die ABDA Klassifikation (von 1: „schwerwiegende Folgen wahrscheinlich – kontraindiziert“ bis 8: „keine weiteren Maßnahmen erforderlich“) ermittelt. Zusätzlich erhoben wurden die interagierenden Arzneimittel, die Empfehlungen der Apotheker und die Rückantwort der Ärzte. Für die deskriptive Auswertung wurden die teilnehmenden Apotheker gebeten, ein anonymisiertes Duplikat jeder gesendeten Faxvorlage zur Verfügung zu stellen.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 123 Faxe von 23 teilnehmenden Apotheken (1–25 Faxe/Apotheke) im Zeitraum November 2013 bis November 2016 in die Analyse eingeschlossen. Bei 108 von 123 wurde eine Interaktion mit unterschiedlichen Schweregrad nach ABDA gemeldet. In einigen Fällen konnte kein Schweregrad ermittelt werden (n = 7) oder es handelte sich um eine Doppelmedikation (n = 8). Eine Rückantwort des Arztes war bei 69,4 % (n = 75) vorhanden. Angelehnt an die Empfehlung der Apotheke wurde von den Ärzten ein alternatives Medikament verschrieben, die Medikation vorläufig/dauerhaft abgesetzt oder eine engmaschige Überwachung angeordnet (n = 23). Zudem wurden andere Therapieoptionen gewählt (n = 15) oder das Problem als bekannt eingestuft und die Verordnung beibehalten (n = 34). Eine Rücksprache mit dem Patienten wurde kaum angestrebt (n = 3).

Diskussion und Schlussfolgerungen

Die Nutzung der Faxvorlage scheint von Apothekern zur Meldung potenziell schwerer Arzneimittelinteraktionen akzeptiert zu sein und kann mit wenig Aufwand zu einer Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation und der Arzneimitteltherapie beitragen. Entgegen der ursprünglichen Intention, meldeten Apotheker auch weniger schwere Arzneimittelinteraktionen. Hier ist auf das Risiko von zu vielen Warnhinweisen („over-alerting“) hinzuweisen, die zu einer unbeabsichtigten Vernachlässigung von ernsten Fällen führen können.


Interessenkonflikte

Ein Interessenkonflikt wird von den Autoren verneint.

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