Anmerkungen der AkdÄ zur Berechnung des Krebsrisikos von genotoxischen Substanzen wie NDMA (Stand: 31.07.2018)

In jüngster Zeit wurden Sartan-haltige Arzneimittel aufgrund einer Verunreinigung mit dem Krebs auslösenden Dimethyl-N-nitrosamin (NDMA) vom Markt zurückgerufen. Es wird vermutet, dass die Verunreinigung durch eine Änderung des Syntheseverfahrens der Sartane bedingt ist.

Für Valsartan-haltige Fertigarzneimittel haben Messungen des Zentrallaboratoriums der deutschen Apotheker Konzentrationen des NDMA in Höhe von bis zu 22 µg pro Tablette ergeben (Link).

Für genotoxische, d.h. durch Veränderung der Erbsubstanz bedingte, Krebs auslösende Stoffe wie dem NDMA ist es nicht möglich, eine Dosis, die als unbedenklich gelten kann, zu bestimmen. Für viele derartige Stoffe – so auch für NDMA – liegen keine ausreichenden Daten aus epidemiologischen und anderen Studien vor, die erlauben, die Höhe des Risikos beim Menschen in Anhängigkeit von der Dosis abzuschätzen.

In der Toxikologie behilft man sich dann damit, die Dosis (in mg/kg Körpergewicht pro Tag), die im Tierversuch eine 10%-Erhöhung der Anzahl der Tumoren nach lebenslanger Gabe des Stoffes gegenüber einer mit Placebo behandelten Kontrollgruppe auslöst, zu vergleichen mit der Dosis, die ein Mensch aufnimmt (in mg/kg Körpergewicht pro Tag). Wenn die durch den Menschen aufgenommene Dosis mehr als 10.000-fach niedriger ist als die Dosis, die im Tierversuch eine 10%-Erhöhung der Anzahl der Tumoren nach lebenslanger Gabe des Stoffes gegenüber einer mit Placebo behandelten Kontrollgruppe auslöst, geht man von einem sehr geringen Risiko aus. Das Risiko wird größer je geringer der Abstand ist.

Für NDMA und Valsartan-haltige Fertigarzneimittel ergibt eine solche Berechnung, dass 22 µg NDMA, die in einer Tablette enthalten sein können, nur etwa 200-fach unter der Dosis liegt, die im Tierversuch eine 10%-Erhöhung der Anzahl der Tumoren nach lebenslanger Gabe des Stoffes gegenüber einer mit Placebo behandelten Kontrollgruppe auslöst.

Dieser Sachverhalt weist auf ein nicht geringes Risiko hin. Dabei sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass das Bewertungskonzept von einer über die gesamte Lebensdauer anhaltenden Belastung mit dem Krebs auslösenden Stoff ausgeht, was bei den Valsartan-haltigen Arzneimitteln nicht gegeben ist.