Psychiatrische UAW unter Rimonabant (UAW-News - International)

Rimonabant (Acomplia®) ist ein selektiver Cannabinoid-1-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung der Adipositas (BMI > 30 kg/m2) oder von übergewichtigen Patienten (BMI > 27 kg/m2) mit zusätzlichen Risikofaktoren (z. B. Typ-II-Diabetes, Dyslipidämie) von der EMEA im Juni 2006 zugelassen wurde und in neun europäischen Ländern erhältlich ist, darunter auch in Deutschland (1, 2). Mehr als 60 % der weltweit behandelten Patienten kommen aus Deutschland (48.330 von 78.610 Behandelten zwischen Juni und November 2006) (2). Nach Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 17.10.2006 ist Rimonabant als Lifestyle-Arzneimittel durch die gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattungsfähig (3).

In den USA wurde Rimonabant aufgrund von Sicherheitsbedenken der FDA nicht zugelassen (4, 5). Ausschlaggebend waren Hinweise auf das vermehrte Auftreten psychiatrischer unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW), insbesondere von Depression, Suizidalität und Angststörungen sowie neurologischer Symptome einschließlich sensorischer, motorischer und kognitiver Störungen. Die Ergebnisse einer jetzt erschienenen Metaanalyse deuten ebenfalls darauf hin, dass Rimonabant das Risiko für das Auftreten psychiatrischer UAW erhöht.

Untersucht wurden Daten von 4105 Patienten aus vier vom Hersteller finanziell unterstützten, randomisierten Doppelblind-Studien (sog. RIO-Studien), welche die Behandlung mit 20 mg/Tag Rimonabant oder mit Placebo zusätzlich zu einer hypokalorischen Diät verglichen (6). Eine psychiatrische oder neurologische Vorerkrankung galt als ein Ausschlusskriterium. Patienten unter Rimonabant hatten nach einem Jahr 4,7 kg (95-%-Konfidenzintervall [KI] 4,1–5,3 kg; p < 0,0001) mehr abgenommen als Patienten unter Placebo. Dabei verursachte Rimonabant signifikant häufiger UAW als Placebo (Odds Ratio [OR] = 1,4; p = 0,0007; Number Needed to Harm [NNH] = 25 Personen, KI 17–58). Patienten unter Rimonabant brachen im Vergleich zu Placebo die Behandlung öfter wegen Depressionen (OR = 2,5; p = 0,01; NNH = 49, KI 19–316) oder Angst (OR = 3,0; p = 0,03; NNH = 166, KI 47–3716) ab. Ein aktuelles Cochrane-Review kommt zu ähnlichen Ergebnissen (7).

Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 27.11.2007) sind 174 Verdachtsfälle von UAW nach Gabe von Rimonabant erfasst, davon beziehen sich die meisten auf psychiatrische Erkrankungen. Neben Depressionen (n = 44), depressiven Verstimmungen (n = 25), Suizidgedanken (n = 24) und Suizidversuchen (n = 2) werden unter anderem auch Angst- (n = 23) und Panikstörungen (n = 16) gemeldet.

In der Fachinformation von Acomplia® wird eine bestehende schwere depressive Erkrankung und/oder antidepressive Behandlung als Kontraindikation aufgeführt, außerdem wird vor dem Auftreten von depressiven Störungen und anderen psychiatrischen Erkrankungen unter Rimonabant deutlich gewarnt (1). Der Arzneiausschuss CHMP der EMEA hatte erst im Juli 2007 eine Änderung der Fachinformation diesbezüglich empfohlen (8).

Die AkdÄ schließt sich der Empfehlung der Autoren der Metaanalyse an (6), verstärkte Aufmerksamkeit auf die möglicherweise schweren psychiatrischen UAW unter Rimonabant zu richten.

Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen unter der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur

  1. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH: Fachinformation "Acomplia® 20 mg Filmtabletten". Stand: Juli 2007.
  2. FDA Advisory Committee: FDA Briefing Document: NDA 21-888: Zimulti (rimonabant) tablets, 20 mg (13. Juni 2007): www.fda.gov/ohrms/dockets/AC/07/briefing/2007-4306b1-fda-backgrounder.pdf. Sanofi-Aventis, zuletzt geprüft: 27. November 2007.
  3. Bundesministerium für Gesundheit: Bekanntmachung eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Änderung der Arzneimittel-Richtlinie/AMR in Anlage 8: Lifestyle-Arzneimittel. Vom 17. Oktober 2006. BAnz 2007; Nr. 8: 400.
  4. Hirschler B: Sanofi pulls obesity drug application in U.S.: http://uk.reuters.com/article/idUKL2977967820070629. Reuters, London, 29. Juni 2007, zuletzt geprüft: 28. November 2007.
  5. FDA, Center for Drug Evaluation and Research: Summary minutes of the Endocrinologic and Metabolic Drugs Advisory Committee meeting on June 13, 2007: http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/07/minutes/2007-4306m1-final.pdf. Zuletzt geprüft: 28. November 2007.
  6. Christensen R, Kristensen PK, Bartels EM, Bliddal H, Astrup A: Efficacy and safety of the weight-loss drug rimonabant: a meta-analysis of randomised trials. Lancet 2007; 370: 1706–13. MEDLINE
  7. Curioni C, Andre C: Rimonabant for overweight or obesity. Cochrane Database Syst Rev 2006; Issue 4: CD006162. MEDLINE
  8. EMEA: Rimonabant (Acomplia®): Summary of product characteristics. Package leaflet: www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/acomplia/acomplia-updated_pi_july07.pdf. Approved by the CHMP on 19 July 2007, zuletzt geprüft: 4. Dezember 2007.


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