Methämoglobinämie durch Celecoxib (UAW-News - International)

Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.

Celecoxib (Celebrex®) ist zur Behandlung von Symptomen bei Reizzuständen degenerativer Gelenkerkrankungen (aktivierte Arthrosen) oder chronischer Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) zugelassen. Es gehört zur Gruppe der selektiven Cox-2-Hemmer (Coxibe) und wird - wie auch die übrigen Vertreter der Wirkstoffgruppe - nach der Marktrücknahme von Vioxx® bezüglich seines Nutzen-Risiko-Verhältnisses sehr kritisch diskutiert (1, 2). Es war mit 32,9 Mio. DDD im Jahr 2003 ein häufig verordnetes Medikament (3).

Amerikanische Autoren (4) berichten über einen 72-jährigen Afroamerikaner, der wegen einer Gonarthrose zweimal täglich 100 mg Celecoxib erhielt. Einen Monat nach Therapiebeginn wurde er wegen akuter Verwirrtheitszustände stationär aufgenommen. Bei der Untersuchung wurde eine zentrale Zyanose mit einer schiefergrauen Verfärbung der Lippen und der Mundschleimhaut gefunden. Der arterielle Sauerstoffdruck betrug 75 mm Hg (normal: 80-110 mm Hg). Der arterielle pH und CO2-Druck waren normal. Es wurde ein Methämoglobinanteil von 9 Prozent (Referenzwert: 0-0,2 Prozent) bestimmt. Der Patient hatte keine weiteren Medikamente erhalten, und eine Überprüfung des Plasmas auf verschiedene andere toxische Substanzen wie Methanol, Ethylenglycol unter anderem verlief negativ. Nach der umgehenden Einleitung einer Therapie mit Methylenblau und der oralen Gabe von Riboflavin und Ascorbinsäure fiel der Methämoglobinspiegel auf 0,7 Prozent.

Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 30.03.2005) sind 462 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Gabe von Celecoxib erfasst. Lediglich 7,6 Prozent der Meldungen betrafen Störungen des Roten Blutbildes. Eine Meldung zu einer Methämoglobinämie findet sich allerdings nicht. Insgesamt finden sich in der Datenbank nur 36 Methämoglobinämie-Fälle, wobei mehr als die Hälfte dieser Berichte dem Lokalanästhetikum Prilocain als Auslöser zugeordnet werden.

Die Gabe von Celecoxib kann somit in sehr seltenen Fällen zu einer Methämoglobinämie führen. Durch eine rasche Diagnose und die adäquate Behandlung kann diese potenziell schwere UAW beherrscht werden.

Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Brune K, Müller-Oerlinghausen B, Schwabe U: Hinweise zur Risikominderung bei Anwendung von Cyclooxygenase-2-Hemmern (Coxiben). Arzneiverordnung in der Praxis 2005; 32: 3-8.
2. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Kardiovaskuläre Nebenwirkungen sind ein Klasseneffekt aller Coxibe: Konsequenzen für ihre künftige Verordnung. Dtsch Arztebl 2004; 101: A 3365.
3. Schwabe U, Paffrath P (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2004. Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York 2004.
4. Kaushik P, Zuckerman SJ, Campo NJ Banda VR, Hayes SD, Kaushik R: Celecoxib-induced methemoglobinemia. Ann Pharmacother 2004; 38: 1635-1638.


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