Akute Rhabdomyolyse unter Olanzapin (UAW-News - International)

Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.

Olanzapin (Zyprexa®) gehört zu den so genannten atypischen Neuroleptika. Es ist zugelassen zur Behandlung der Schizophrenie und mäßig schwerer bis schwerer manischer Episoden. Weiterhin kann es mit Einschränkungen zur Phasenprophylaxe bei Patienten mit bipolaren Störungen angewandt werden. Mit UAW von Olanzapin hatte sich der UAW-Ausschuss der AkdÄ mehrfach zu beschäftigen. Mit 24,1 Mio. DDD war es im Jahr 2003 das am häufigsten verordnete atypische Neuroleptikum (1).

Es wird jetzt über einen 26-jährigen, 190 cm großen und 126 kg schweren Patienten berichtet (2), der wegen religiöser und paranoider Wahnideen mit akustischen und visuellen Halluzinationen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Bei der Routine-Blutuntersuchung wurde für die Kreatinkinase (CK) ein Wert von 86 U/l ermittelt, auch alle übrigen untersuchten Laborwerte waren normal. Zwei Tage nach dem Beginn einer Olanzapin-Therapie (Initialdosis wird nicht genannt) klagte der Patient über Muskelzuckungen in beiden Beinen. Die CK wurde erneut bestimmt und betrug 949 U/l. Olanzapin wurde auf 5 mg/Tag reduziert, die CK stieg am nächsten Tag weiter an auf 9.250 U/l und schließlich innerhalb weniger Stunden auf 34.503 U/l. Auch LDH und GOT waren erhöht. Der Patient erhielt eine forcierte Diurese, und Olanzapin wurde abgesetzt. Die CK fiel danach kontinuierlich ab und erreichte zwölf Tage nach Beginn der Erhöhung wieder Normalwerte. Die Behandlung wurde mit Risperidon fortgesetzt, worunter die CK nochmals auf 386 U/l anstieg und sich dann unter unveränderter Medikation innerhalb von drei Tagen völlig normalisierte.

Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 30.03.2005) sind 1249 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Gabe von Olanzapin erfasst. Im Vordergrund stehen UAW des zentralen und peripheren Nervensystems (45,2 Prozent), Stoffwechselstörungen (34,7 Prozent)und psychiatrische Störungen (32,7 Prozent). Veränderungen des weißen Blutbildes betrafen 13,9 Prozent der Berichte. Eine Rhabdomyolyse (Muskelnekrose) wurde 51-mal (4,1 Prozent der Fälle) und damit vergleichsweise häufig genannt. Unter den Arzneimitteln, die im Zusammenhang mit dem Auftreten einer Rhabdomyolyse als UAW-auslösend verdächtigt wurden, liegt Olanzapin nach den HMG-CoA-Reduktasehemmern Cerivastatin, Simvastatin und Atorvastatin an vierter Stelle in der gemeinsamen Datenbank. In der Literatur finden sich weitere Kasuistiken über Rhabdomyolysen und CK-Erhöhungen im Zusammenhang mit der Gabe von Olanzapin (3, 4). Auch die AkdÄ hat bereits früher im Rahmen einer Mitteilung im Deutschen Ärzteblatt auf diese UAW aufmerksam gemacht (5). In der Fachinformation zu Zyprexa® wird neuerdings auf eine Rhabdomyolyse als sehr seltenes Ereignis (< 0,01 Prozent) hingewiesen (6).

Bei einer Olanzapin-Therapie sollte auf das mögliche Rhabdomyolyse-Risiko geachtet werden. Insbesondere ist Hinweisen von Patienten unbedingt Aufmerksamkeit zu schenken, wenn diese über Muskelschmerzen und Muskelschwäche klagen. Die CK sollte öfter überprüft werden.

Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Schwabe U, Paffrath P (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2004. Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York 2004.
2. Baumgart U, Schmid R, Spießl H: Olanzapine-induced acute rhabdomyolysis. Pharmacopsychiatry 2005; 38: 36-37.
3. Rosebraugh CJ, Flockhart DA, Yasuda SU, Woosley RL: Olanzapine-induced rhabdomyolysis. Ann Pharmacother 2001; 35: 1020-1023.
4. Marcus EL, Vass A, Zislin J: Marked elevation of serum creatine kinase associated with olanzapine therapy. Ann Pharmacother 1999; 33: 697-700.
5. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Olanzapin: hyperosmolares Coma diabeticum, Rhabdomyolyse, Niereninsuffizienz. Dtsch Arztebl 2002; 99: A 741-742.
6. Fachinformation ZYPREXA Filmtabletten, November 2004.


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