Durch Levofloxacin ausgelöste autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) (UAW-News International)

Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.

Levofloxacin ist der linksdrehende Teil des Razemates Ofloxacin (Tarivid®) und als Tavanic® bei uns im Handel. Es handelt sich um ein Fluorchinolon mit sehr guter Wirksamkeit im gramnegativen und befriedigender Wirksamkeit im grampositiven Bereich.

US-Autoren berichten jetzt über einen 82-jährigen Patienten (1), der wegen einer Weichteilinfektion 500 mg Levofloxacin täglich erhielt. Ungefähr vier Tage nach Beginn der Levofloxacin-Behandlung bemerkte der Patient Symptome wie Schwäche und Schwindel. Gegen Ende der zehn Tage dauernden Behandlung verstärkten sich diese Symptome, und es traten zusätzlich ein Ikterus, dunkelfarbiger Urin, Sehstörungen und Atemnot auf. Bei Vorstellung in der Notaufnahme lagen der Hämoglobin-Wert bei 7,0 g/dl, der Hämatokrit bei 18,8 Prozent, die LDH bei 1 543 IU/l, und das indirekte Bilirubin betrug 4,8 mg/dl. Die Elektrolyte und Leberenzyme waren im Normbereich. Der Patient erhielt drei Erythrozytenkonzentrate und sollte sich zwei Tage später beim Internisten vorstellen. Zu diesem Zeitpunkt lagen der Hämoglobin-Wert bei 7,2 g/dl und der Hämatokrit bei 19,0 Prozent. Es erfolgte die stationäre Aufnahme. Zusätzliche Laboruntersuchungen ergaben eine LDH von 596 IU/l, ein indirektes Bilirubin von 9,7 mg/dl, ein Haptoglobin < 6 mg/dl, eine Leukozytose von 17 GPT/l mit Eosinophilie (22,2 Prozent) und ein Urobilinogen im Urin von 1,0 EU/dl. Im direkten Coombs-Test wurden membrangebundene antierythrozytäre Wärmeantikörper vom IgG-Typ nachgewiesen. Es wurde die Diagnose einer durch Levofloxacin ausgelösten AIHA gestellt, erneut drei Erythrozytenkonzentrate transfundiert und der Patient mit Prednison in absteigender Dosis behandelt. Unter dieser Therapie kam es nach drei Tagen zu einem Verschwinden der klinischen Symptome und Anstieg des Hämoglobins auf 9,8 g/dl. Ein Gespräch während des stationären Aufenthalts mit der Tochter des Patienten ergab, dass er circa fünf Jahre zuvor eine Urtikaria unter Ciprofloxacin entwickelt hatte, die nach Absetzen des Medikaments rasch verschwunden war. Die Autoren weisen darauf hin, dass über eine durch Levofloxacin oder Ofloxacin ausgelöste AIHA bisher noch nicht berichtet wurde, jedoch ein anderes Fluorchinolon, Temafloxacin, 1992 wegen gehäufter schwerer hämolytischer Anämien aus dem Handel genommen wurde und auch über hämolytische Anämien nach Ciprofloxacin berichtet wurde. In der Fachinformation für Levofloxacin findet sich die Angabe, dass in seltenen Fällen eine hämolytische Anämie auftreten kann.

In dem gemeinsam vom BfArM und der AkdÄ geführten Spontanerfassungssystem (Stichtag 19.02.2004) finden sich 709 Meldungen zu Levofloxacin, darunter sind auch zwei über eine hämolytische Anämie. Die meisten Angaben beziehen sich auf das Muskel- und Skelettsystem, die Haut und den Verdauungstrakt. Im genannten Spontanerfassungssystem, in dem sich zum Stichtag insgesamt 180.166 Meldungen befanden, sind 356 Meldungen von hämolytischer Anämie verzeichnet, wobei etwa zehn Prozent Fludarabin und sechs Prozent Diclofenac betreffen. Die übrigen Medikamente liegen bezüglich ihrer Nennung unter fünf Prozent. Beschränkt man die Suche auf Fluorchinolone, so ergeben sich insgesamt 4.825 Meldungen, darunter 20 Fälle einer hämolytischen Anämie (achtmal Ciprofloxacin, viermal Ofloxacin und je zweimal Moxifloxacin und Levofloxacin; vier Meldungen beziehen sich auf nicht mehr im Handel befindliche Fluorchinolone).

Insgesamt scheint es sich also bei der AIHA nach Fluorchinolonen um eine seltene UAW zu handeln. Da aber laut Schwabe/Paffrath (2) Levofloxacin in einer Menge von 7,2 Mio. DDD (Umsatz 32 Mio. Euro) verordnet wird, dürfte diese UAW doch immer wieder einmal auftreten.

Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen unter der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Oh JR, Carr-Lopez SM, Probasco JM, Crawley PG: Levofloxacin-induced autoimmune hemolytic anemia. Ann Pharmacother 2003; 37: 1010-1013.
2. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2003. Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2004.


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