Unerwünschte Arzneimittelwirkung melden
Bekanntgaben 2008
-
Kardiopulmonale Zwischenfälle bei der Verwendung von Knochenzement (UAW - Aus Fehlern lernen)
Der AkdÄ wurden im letzten Jahr vier Zwischenfälle im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Verwendung von gentamicinhaltigem Knochenzement berichtet. In allen Fällen handelte es sich um ältere Patienten mit kardiopulmonalen Vorerkrankungen, die wegen einer Schenkelhalsfraktur mit einem endoprothetischen Hüftgelenkersatz versorgt wurden. Intraoperativ kam es jeweils wenige Minuten nach Einbringen des Zements in das Femur zur reanimationspflichtigen Kreislaufdepression.
-
Eine Gynäkomastie durch Finasterid kann die Diagnose eines Mammakarzinoms beim Mann verzögern (Aus der UAW-Datenbank)
Finasterid ist zugelassen zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie
(BPH) sowie in niedriger Dosierung bei der androgenetischen Alopezie in frühen Stadien. Der AkdÄ wurde der Fall eines 71-jährigen Mannes gemeldet, der seit Juli 2004 wegen einer Prostatahypertrophie Finasterid 5 mg und Tamsulosin 0,4 mg/Tag eingenommen
hat. Etwa ein Jahr später kam es zu einer Berührungsempfindlichkeit und zu Spannungsschmerz in der linken Brust.
-
Armplexusneuritis im Zusammenhang mit Gardasil® (Aus der UAW-Datenbank)
Gardasil® ist ein Impfstoff zur Prävention von Vorstufen maligner Läsionen im Genitalbereich, Zervixkarzinomen und äußeren Genitalwarzen. Gardasil® enthält virusähnliche Partikel (virus-like particles, VLP) der onkogenen Subtypen 16 und 18 des humanen Papillomavirus (HPV) sowie der Subtypen 6 und 11, die für etwa 90 % der Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verantwortlich sind. Der AkdÄ wurde der Fall einer 18-jährigen Frau gemeldet, die acht Wochen nach der zweiten Injektion von Gardasil® mit einer akuten Parese des rechten Arms sowie einer latenten Parese des rechten Beins stationär aufgenommen wurde.
-
Akute Oxalat-Nephropathie im Zusammenhang mit der Gabe von Orlistat bei chronischer Niereninsuffizienz (UAW-News - International)
Orlistat (Xenical®) ist in Kombination mit einer hypokalorischen Kost zugelassen zur Behandlung von adipösen Patienten mit einem Körpermasseindex (Body-Mass-Index, BMI) > 30 kg/m² sowie bei übergewichtigen Patienten (BMI > 28 kg/m²), wenn begleitende Risikofaktoren vorliegen. Singh et al. berichten über eine 57-jährige Patientin, die an einem Diabetes mellitus Typ II und einer chronischen Niereninsuffizienz leidet (Serumkreatinin 2,5 mg/dl). Nach einer Dosiserhöhung von zwei- auf dreimal täglich 120 mg Orlistat kam es innerhalb von zwei Monaten zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Episoden mit öligen Stuhlabgängen.
-
Progressive multifokale Leukenzephalopathie nach Rituximab (Aus der UAW-Datenbank)
Rituximab (MabThera®) ist zugelassen für die Therapie von CD20-positiven B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen (B-NHL) sowie in Kombination mit Methotrexat bei der schweren rheumatoiden Arthritis. Der AkdÄ wurde der Fall einer 1941 geborenen Frau gemeldet, bei der im Mai 2000 ein follikuläres NHL diagnostiziert wurde. Die Patientin wurde zunächst nach dem CHOP-Schema behandelt und erhielt später wegen zwei Rezidiven weitere Chemotherapien (Fludarabin/Cyclophophamid, Bendamustin) kombiniert mit Rituximab. Im März 2007 wurde bei der Patientin eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) diagnostiziert.
-
Imatinib als mögliche Ursache einer Rhabdomyolyse (UAW-News - International)
Imatinib (Glivec®) ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der u. a. zur Behandlung der Philadelphia-Chromosom-positiven chronischen myeloischen Leukämie (CML) und gastrointestinaler Stromatumoren zugelassen ist. Im "New England Journal of Medicine" wurde nun der Krankheitsverlauf einer 25-jährigen Patientin dargestellt, bei der Imatinib möglicherweise die Ursache einer Rhabdomyolyse war.
-
Heparininduzierte Thrombozytopenie unter Fondaparinux (UAW-News - International)
Fondaparinux (Arixtra®) ist zugelassen zur Prophylaxe thromboembolischer Ereignisse, zur Therapie tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien sowie bei der Behandlung der instabilen Angina pectoris und von Myokardinfarkten. Im New England Journal of Medicine berichteten Warkentin et al. über eine 48-jährige Patientin, die nach Gabe von Fondaparinux zur Thromboseprophylaxe eine Symptomatik wie bei heparininduzierter Thrombozytopenie entwickelte, obwohl keine Exposition mit Heparin stattgefunden hatte.
-
Schwerwiegende Kreislaufreaktionen nach intravenöser Gabe von Toluidinblau® zur Darstellung der ableitenden Harnwege (Aus der UAW-Datenbank)
Toluidinblau® ist in erster Linie bekannt als Antidot bei der Methämoglobinämie. Darüber hinaus ist es zugelassen zur intraoperativen Färbung von Epithelkörperchen sowie zur Chromoendoskopie, Chromolaparoskopie und Fistelgangdarstellung. Es gibt Hinweise für die Zunahme der Anwendung von Toluidinblau® außerhalb der zugelassenen Indikationen (Off-label-use). So wird der nierengängige Farbstoff intravenös verabreicht, um bei urologischen oder gynäkologischen Eingriffen wie der Chromocystoskopie den Harnabfluss darzustellen. Der AkdÄ liegen fünf Berichte über schwerwiegende Kreislaufreaktionen im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der intravenösen Gabe von Toluidinblau® vor.
-
Frakturrisiko unter Thiazolidindionen (Glitazonen) (UAW-News - International)
In Deutschland sind die beiden Thiazolidindione (Glitazone) Rosiglitazon (Avandia®) und Pioglitazon (Actos®) zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II zugelassen.
In der ADOPT-Studie, in der orale Antidiabetika hinsichtlich der Blutzuckerkontrolle über vier bis sechs Jahre verglichen wurden, ergab die Auswertung der unerwünschten Arzneimittelwirkungen eine signifikant erhöhte Rate an Frakturen bei Frauen, die mit Rosiglitazon behandelt wurden, jedoch nicht bei Männern.
Aktuell wurde eine Fall-Kontroll-Studie veröffentlicht, die anhand der Daten von etwa fünf Millionen britischen Patienten (General Practice Research Database, GPRD) die Assoziation von Frakturen mit der Einnahme von Glitazonen, anderen oralen Antidiabetika (OAD) oder Insulin untersucht hat.
-
Neuropsychiatrische UAW unter Neuraminidasehemmern (Oseltamivir und Zanamivir) (Aus der UAW-Datenbank)
Die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza) sind für die Therapie der Virusgrippe (Influenza) mit influenzatypischen Symptomen, zur Postexpositionsprophylaxe und in Ausnahmefällen (z. B. Pandemie) zur saisonalen Prophylaxe bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab dem ersten bzw. fünften Lebensjahr zugelassen. Der AkdÄ wurde der Fall eines 24-jährigen Mannes gemeldet, dem wegen einer Influenza Oseltamivir verordnet wurde und der nach Einnahme der ersten Dosis psychiatrische Symptome wie Ich-Erlebnisstörung, Denk- und Gedächtnisstörungen, Suizidalität und panische Angst, jemanden zu töten, entwickelte.
-
Hämolytisch-urämisches Syndrom unter Betainterferon (Aus der UAW-Datenbank)
Die Interferone beta-1a (Avonex®, Rebif®) und beta-1b (Betaferon®) werden zur Therapie der schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose verwendet. Der AkdÄ wurde über eine 38-jährige Patientin berichtet, die wegen einer Multiplen Sklerose 250 µg Interferon beta-1b (Betaferon®) jeden zweiten Tag s. c. erhielt. Zwei Wochen nach Beginn der Therapie wurde sie mit einem akuten Nierenversagen, einer hämolytischen Anämie mit Fragmentozyten und einer Thrombozytopenie stationär aufgenommen.
-
Hepatitis und Leberversagen unter Clopidogrel (Aus der UAW-Datenbank)
Clopidogrel (Iscover®, Plavix®) ist zugelassen zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Patienten mit Herzinfarkt, ischämischem Schlaganfall oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit sowie beim akuten Koronarsyndrom. Der AkdÄ wurde über eine 65-jährige Patientin berichtet, die nach PTCA und Einlage eines mit Sirolimus
beschichteten Stents Clopidogrel 75 mg/Tag eingenommen hat. Etwa fünf Monate nach Beginn der Einnahme von Clopidogrel wurde die Patientin mit schmerzlosem Ikterus stationär aufgenommen.
-
Septische Komplikationen durch kontaminiertes Propofol (UAW - Aus Fehlern lernen)
Propofol ist ein kurz wirkendes intravenöses Anästhetikum. Aufgrund der Darreichungsform als Öl-in-Wasser-Emulsion des in Wasser praktisch unlöslichen Propofol wird das Wachstum von Mikroorganismen begünstigt. Die mikrobielle Kontamination, z. B. durch unsachgemäße Handhabung, kann zu schweren septischen Komplikationen führen. Obwohl die Problematik seit Langem bekannt ist und zahlreiche Fallberichte publiziert wurden, lassen sich immer wieder Häufungen von Fällen beobachten, die möglicherweise mit der zunehmenden Anwendung von Propofol in Zusammenhang stehen.
-
Staphylokokkenmeningitis, Sepsis und Exitus letalis nach Therapie mit Efalizumab (Raptiva®) (Aus der UAW-Datenbank)
Efalizumab ist zugelassen bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris vom Plaque-Typ, die wegen fehlender Wirksamkeit, Kontraindikationen oder Unverträglichkeit nicht mit anderen systemischen Therapien wie Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA behandelt werden kann. Berichtet wird über einen 74-jährigen Patienten, der unter Therapie mit Efalizumab eine Staphylokokkenmeningitis und Sepsis mit tödlichem Ausgang entwickelt hat.
-
Erratum zur Bekanntgabe: Pankreatitis unter Exenatid (Aus der UAW-Datenbank)
Im Deutschen Ärzteblatt, Heft 8 vom 22.02.2008, ist es zu einem bedauerlichen Fehler gekommen. Der zweite Satz im ersten Absatz muss richtigerweise heißen: "In Abhängigkeit von der Glucosekonzentration im Blut steigert es durch Aktivierung des GLP-1-Rezeptors die Insulinsynthese und -sekretion, während die Glukagonsekretion unterdrückt wird.".
-
Pankreatitis unter Exenatid (Aus der UAW-Datenbank)
Exenatid, ein Inkretinmimetikum, ist zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen. Es wurde jetzt der Fall eines 66-jährigen Patienten berichtet, dem wegen Diabetes mellitus Typ 2 zusätzlich zu Metformin zunächst 10 µg/Tag und vier Wochen später 20 µg/Tag Exenatid verordnet wurden. Wenige Tage nach der Dosiserhöhung zeigte sich das Bild einer akuten Pankreatitis.
-
Psychiatrische UAW unter Rimonabant (UAW-News - International)
Rimonabant (Acomplia®) ist ein selektiver Cannabinoid-1-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung der Adipositas oder von übergewichtigen Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren von der EMEA im Juni 2006 zugelassen wurde. In den USA wurde Rimonabant aufgrund von Sicherheitsbedenken der FDA nicht zugelassen. Ausschlaggebend waren Hinweise auf das vermehrte Auftreten psychiatrischer unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW), insbesondere von Depression, Suizidalität und Angststörungen sowie neurologischer Symptome einschließlich sensorischer, motorischer und kognitiver Störungen. Die Ergebnisse einer jetzt erschienenen Metaanalyse deuten ebenfalls darauf hin, dass Rimonabant das Risiko für das Auftreten psychiatrischer UAW erhöht.
© Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Letzte Änderung: 14.04.2010