Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können. Risperidon (Risperdal®) gehört zur Gruppe der atypischen Neuroleptika und wurde im Jahr 2002 mit 15,7 Mio. DDD relativ häufig verordnet. Risperdal® rangierte dabei auf Rang 127 der führenden Arzneimittel nach Verordnungen (1). Risperidon kann nur bedingt als "atypisch" gelten, da bei höherer Dosierung, das heißt über 4–6 mg/d, die typischen unerwünschten Wirkungen eines Dopamin-Rezeptor-Antagonisten wie extrapyramidal motorische oder auch endokrine Störungen durchaus beobachtet werden. Auf Erhöhungen des Prolaktin-Blutspiegels und damit assoziierte unerwünschte Wirkungen unter Risperidon wurde in der Literatur kasuistisch verschiedentlich hingewiesen (zum Beispiel 3, 4). Diese Fälle wie auch eine kürzlich publizierte Beobachtung über das Auftreten eines Prolaktinoms (5) bezogen sich fast ausschließlich auf Frauen in der Prämeno- pause. Der folgende Fall weist jedoch auf ein entsprechendes Risiko auch bei älteren Patientinnen hin (2).
Eine 72-jährige Patientin mit einer Schizophrenie wurde zunächst mit typischen Neuroleptika behandelt, ohne dass es zum gewünschten Erfolg kam. Dann wurde Risperidon eingesetzt, anfangs in einer Dosierung von 4 mg/Tag; drei Monate später wurde aufgrund ausbleibender Remission auf 5 mg/Tag erhöht. Zwei Monate später, das heißt fünf Monate nach Therapiebeginn, wurde über der linken Brust eine 3 × 2 cm große tumoröse Masse getastet. Die Haut darüber war gerötet, zwei Achsellymphknoten waren vergrößert. Aus der Brustwarze trat eitriges Sekret aus. Der Prolaktin-Blutspiegel betrug 104,68 ng/ml (Normalwert: < 30 ng/ml). Eine Biopsie zeigte ein Ödem und diffuse Infiltrationen mit Leukozyten in den Läppchen, es konnte aber kein Verdacht auf ein Karzinom ausgesprochen werden. Im Hinblick auf eine vermutete Infektion wurde ein Antibiotikum gegeben, Risperidon wurde abgesetzt und stattdessen 600 mg/die Quetiapin verordnet. Zehn Tage später waren der Tumor und die vergrößerten Lymphknoten nicht mehr nachweisbar. Der Prolaktinspiegel war auf Normalwerte von 20,55 ng/ml zurückgegangen. Im deutschen UAW-Spontanerfassungs system (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ; Stand: 19. 2. 2004) liegen zu Risperidon insgesamt 1329 Meldungen vor, von denen sich 72 (5,4 Prozent) auf das Auftreten einer Hyperprolaktinämie oder "Laktation ohne Schwangerschaft" beziehen. Die Galaktorrhö ist eine relativ selten berichtete UAW. Von den insgesamt 180262 Meldungen in der Datenbank betrafen nur 202 dieses unerwünschte Ereignis. Am häufigsten wurde die Galakthorrhö in Verbindung gebracht mit Amisulprid, gefolgt von Risperidon, Olanzapin, Sulpirid.Literatur
1. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2003. Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 2004.Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
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