Bei Mirena® handelt es sich um ein Intrauterinpessar (IUP) mit einem
Gestagen-(Levonorgestrel-)Reservoir. Seit September 1997 ist es mit den zugelassenen
Anwendungsgebieten Kontrazeption und Hypermenorrhö auf dem Markt verfügbar. Die
intrauterine Kontrazeption kommt bevorzugt bei Frauen, die bereits geboren haben, zur
Anwendung. Bei Nulliparae ist Mirena® nicht Mittel der ersten Wahl (1).
Dem Ausschuss Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) fiel die Häufigkeit von
Berichten über Komplikationen nach Einlage von Mirena® auf. Mit Stand vom 10. 7. 2002
beziehen sich über 500 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen aus dem
deutschen Spontanerfassungssystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ) auf dieses
IUP, bei deren Analyse insbesondere 300 Berichte über die Komplikationen
Uterusperforation und Expulsion beziehungsweise Gravidität (ungewollt/ektop) im
Vordergrund stehen.
Aufgrund der Grenzen des Spontanerfassungssystems unerwünschter Arzneimittelwirkungen
sind hieraus Aussagen zur Inzidenz von UAWs von Mirena® nicht ableitbar. Auch ein
Vergleich mit Komplikationsraten konventioneller IUP (Kupfer) ist nicht möglich, da diese
nicht als Arzneimittel, sondern als Medizinprodukte zugelassen sind. Ihre Nebenwirkungen
können damit in einer Datenbank unerwünschter Arzneimittelwirkungen nicht erfasst
werden.
Angaben in der internationalen Literatur zu dieser Problematik sind spärlich und
widersprüchlich. Zum Teil werden ähnliche Expulsionsraten für Levonorgestrel-haltige
und konventionelle IUP genannt (2), in einer allerdings älteren Arbeit
beispielsweise auch eine annähernd um den Faktor 2 erhöhte Perforationsrate bei
Levonorgestrel-haltigen IUP im Vergleich zu konventionellen erwähnt. Dies ist
möglicherweise unter verschiedenen Aspekten von Bedeutung: In Deutschland gibt es rund
1,5 Mio. IUP-Anwenderinnen. Jährlich erfolgen rund 600 000 IUP-Einlagen. Indikation ist
zumeist die Kontrazeption, was bedeutet, dass die Anwendung dieses Arzneimittels als
Verhütungsmethode in der Regel bei gesunden Frauen erfolgt. Außerdem ist Mirena® aus
Polyethylen und nicht mit Kupfer ummantelt. Damit ist Mirena® sowohl sonographisch als
auch röntgenologisch nur eingeschränkt lokalisierbar. Dies gilt für die intrauterine
und, noch bedeutsamer, für die ektope beziehungsweise okkulte Lage.
Auch wenn es sich beim IUP vom Typ Mirena® um eine gut wirksame Verhütungsmethode
handelt (Pearl-Index mit 0,16 sehr niedrig) (1) und in mehreren Studien eine wirksame
Therapie der Hypermenorrhö nachgewiesen wurde, erscheinen der Arzneimittelkommission
diese möglichen Komplikationen gravierend. Sie nimmt dies zum Anlass, noch einmal auf
bekannte Kontraindikationen von Mirena® (zum Beispiel genitale Infektionen, genitale
Malignome oder Verdacht auf anatomische Veränderungen des Uterus, Hypoplasie oder extreme
uterine Lageanomalien, genitale
Blutungen unklarer Genese) und Nebenwirkungen (zum Beispiel irreguläre
Menstruationsblutungen, Kopfschmerzen, Akne, Unterbauch- oder Rückenschmerzen,
Depressionen, Extrauteringravidität) hinzuweisen. Beim Vorliegen von Thrombosen oder
thrombembolischen Komplikationen ist eine strenge Indikationsstellung beziehungsweise
gegebenenfalls vorzeitiges Entfernen von Mirena® angezeigt (1). Auf Symptome wie
Unterleibsschmerzen, Hypermenorrhö, Dysmenorrhö und passagere Zwischenblutungen sollte
nach Insertion von Mirena® besonders aufmerksam geachtet und die Patientinnen sollten
über das Perforations- bzw. Expulsionsrisiko adäquat aufgeklärt werden.
Gründe zum sofortigen Entfernen von Mirena® sind unregelmäßige und verstärkte
Menstruationen erheblichen Ausmaßes, anhaltende und krampfartige Unterbauchschmerzen,
schwerwiegende Infektionen im Bereich des Uterus oder des kleinen Beckens,
Uterusperforation.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit.
Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der
vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen unter
der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.
Literatur
1. Fachinformation Mirena®, Stand: Januar 2001.
2. Stewart A, Cummins C, Gold L, Jordan R, Phillips W: The effectiveness of the
levonorgestrel-releasing intrauterine system in menorrhagia: a systematic review. Br J
Obstet Gynaecol 2001 Jan; 108 (1): 7486.
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© Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Letzte Änderung: 30.01.2003