Die Thrombozytenaggregationshemmer Acetysalicylsäure (ASS) und Clopidogrel werden in der Primär- und Sekundärprophylaxe ischämischer Ereignisse eingesetzt, wobei die Kombination der beiden Arzneimittel den Therapiestandard bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom sowie nach koronarer Stentimplantation darstellt (1-3). Die optimale Dauer der dualen Thrombozytenaggregationshemmung ist nicht für alle klinischen Situationen geklärt, empfohlen werden zwischen vier Wochen nach Einbringen von unbeschichteten Stents (bare metal stents, BMS) und zwölf Monaten nach akutem Myokardinfarkt (1, 2, 4). In einer aktuell publizierten Studie zur Situation nach Einbringen von Medikamente freisetzenden Stents (drug-eluting stents, DES) ergab sich kein Hinweis auf einen zusätzlichen Nutzen hinsichtlich Reinfarkt und Tod aus kardialer Ursache, wenn eine duale Thrombozytenaggregationshemmung über mehr als zwölf Monate durchgeführt wird (5). Die Studienergebnisse zum Blutungsrisiko unter der Kombination von ASS und Clopidogrel sind uneinheitlich (6-8). Besonders schwierig ist die Situation, wenn z. B. bei Vorhofflimmern zusätzlich die Gabe eines Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Phenprocoumon, Marcumar®) indiziert ist (9, 10).
Eine dänische Studie hat jetzt das Risiko für Blutungsereignisse bei Patienten untersucht, die nach Myokardinfarkt mit ASS, Clopidogrel oder einem Vitamin-K-Antagonisten als Monotherapie oder in Kombination behandelt wurden (11). Ermöglicht wurde die Studie durch Vernetzung von vier dänischen Registern, in denen patientenbezogene Daten zu Krankenhausaufnahmen, Medikamentenverschreibungen, allgemeine Informationen zu den Einwohnern und Informationen zu Todesursachen erfasst sind.
Im Zeitraum von 2000 bis 2005 wurden 40.812 Patienten älter als 30 Jahre mit dem Erstereignis eines Myokardinfarkts identifiziert. Innerhalb einer mittleren Beobachtungszeit von 476,5 Tagen (SD 142) wurden insgesamt 1891 Patienten (4,6 %) wegen eines Blutungsereignisses stationär behandelt. Es wurden 115 Fälle (0,3 %) mit tödlich verlaufenden Blutungen erfasst. Die jährliche Inzidenz der Blutungsereignisse unter den verschiedenen antithrombotischen Therapieregimen sowie die entsprechenden "number needed to harm" (NNH) lassen sich der Tabelle entnehmen. Die NNH ist die Zahl von Patienten, die behandelt werden muss, um bei einem Patienten einen Schaden zu verursachen (in der vorliegenden Studie eine Blutung, die zur Krankenhausaufnahme führt). Patienten mit einem Blutungsereignis in der Vorgeschichte, höherem Lebensalter sowie mit einem Diabetes mellitus oder einer Herzinsuffizienz hatten ein erhöhtes Blutungsrisiko. Bei einem nichttödlichen Blutungsereignis war das Risiko für ein Myokardinfarktrezidiv oder das Sterben während der Beobachtungszeit signifikant erhöht (Hazard Ratio 3,00; CI 2,75-3,27; p < 0,0001).

Im Vergleich zu einer Monotherapie waren alle Kombinationen von Thrombozytenaggregationshemmern mit einem Vitamin-K-Antagonisten mit einem erhöhten Risiko für nichttödliche und tödliche Blutungsereignisse verbunden. Insbesondere war das Blutungsrisiko für die Kombination von Clopidogrel mit einem Vitamin-K-Antagonisten sowie für die Dreierkombination (ASS/Clopidogrel/Vitamin-K-Antagonist) deutlich erhöht. Da der Nutzen einer Kombination aus Vitamin-K-Antagonist und Clopidogrel nicht belegt ist, wird empfohlen, diese Therapieoption nur nach einer sorgfältigen Einschätzung des individuellen Risikoprofils einzusetzen. Bei Patienten, die z. B. wegen Vorhofflimmerns eine orale Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten benötigen, sollte der Einsatz von Medikamente freisetzenden Stents vermieden werden, um die Dauer der dualen Thrombozytenhemmung plus Vitamin-K-Antagonist möglichst kurz halten zu können. Von besonderer Bedeutung ist das perioperative Management bei Patienten, die aufgrund einer kardiovaskulären Erkrankung Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen (12).
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Literatur
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© Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Letzte Änderung: 07.05.2010