Medikationsplan V2.0

Erste Ergebnisse des Lesbarkeitstests zum einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplan:

Vier verschiedene Aspekte wurden beim Lesbarkeitstest im Umgang mit dem einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplan untersucht:

  • die Orientierung der Patienten auf dem Medikationsplan
  • die Benutzung des Medikationsplans anhand eines praktischen Tests
  • die Verständlichkeit der verwendeten Formulierungen und Abkürzungen
  • der erwartete Nutzen des Medikationsplans.

Die Orientierung auf dem Medikationsplan (Spezifikation 2.0) hat weitestgehend gut funktioniert, fast alle Personen waren in der Lage, sich auf dem Plan zurechtzufinden. Es haben rund 80 % der Teilnehmer den Medikationsplan korrekt im Rahmen eines praktischen Tests (Einsortieren von Tabletten in zwei Dosetten) benutzt. Dabei zeigte sich allerdings, dass die abgekürzten Tageszeiten („Mo“ für morgens, „Mi“ für Mittags, „Ab“ für abends und „zN“ für zur Nacht) als Einnahmehinweise zu Medikamenten nur von etwa der Hälfte aller Teilnehmenden richtig verstanden wurden. Daher einigten sich die beim Workshop anwesenden Vertreter des BMG, der Koordinierungsgruppe und der Projekte darauf, in den Projekten, die den Medikationsplan derzeit evaluieren, bereits vor einer offiziellen Änderung der Spezifikation bei der Überschrift für die Dosierungsangaben eine abweichende Lösung zu implementieren und entsprechend zu testen. Die Erfahrungen mit den Lösungen sollen dann in die neue, möglicherweise auf Grundlage einer nach § 31a SGB-V entstehenden Spezifikation einfließen. Eine Lösungsmöglichkeit wurde innerhalb des Projektes „Primärsystem Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung“ (PRIMA) ausgearbeitet.

Start der Modellprojekte zur Erprobung des einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplans in der Praxis einschließlich seiner Akzeptanz und Praktikabilität

Seit Anfang des Jahres laufen die vom BMG geförderten Projekte zur Testung des einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplans. Gegenstand der Förderung ist ein dreimonatiger Lesbarkeits- und Verständlichkeitstest sowie die anschließende Untersuchung der Praktikabilität und Akzeptanz des Medikationsplans in einer Modellregion. Insgesamt hatten sich auf die Ausschreibung 11 allesamt sehr qualifizierte Projekte beworben.

Gefördert werden drei Modellregionen für einen Zeitraum von 24 Monaten.

  • MetropolMediplan 2016 – MMP16:
    Erprobung und Weiterentwicklung eines Medikationsplans in der Praxis hinsichtlich Akzeptanz und Praktikabilität (Projektleiter Prof. Dr. med. Dormann, Fürth)
  • Erprobung eines Medikationsplans in der Praxis hinsichtlich Akzeptanz und Praktikabilität
    – Modellregion Erfurt (Projektleiterin Frau Prof. Dr. med. Thürmann, Wuppertal)
  • PRIMA – Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung in Sachsen und Thüringen (Projektleiter Prof. Dr. rer. nat. Schulz, Berlin)

Da das Konzept zum einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplan sowohl von den Softwareherstellern als auch von den Entscheidungsträgern sehr positiv aufgenommen wird, war auch das Land Rheinland-Pfalz bereit zu einer Förderung der Evaluierung des von der Koordinierungsgruppe vorgestellten Konzeptes zum Medikationsplan. Hier wird folgendes Projekt gefördert:

  • Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz Mediplan RPL
    (Projektleiterinnen Frau Prof. Krämer, Frau Dr. Mildner, Mainz)

Es ist zu erwarten, dass sich weitere Projekte anschließen und die Ergebnisse in einen bundeseinheitlichen Medikationsplan für Deutschland einfließen. Dieser könnte erstmalig eine Interoperabilität zwischen den einzelnen Systemen und Sektoren in Deutschland gewährleisten und somit e-Health entscheidend voranbringen.

 

Aktualisierung des Medikationsplans V2.0

Neue Version der Spezifikation des einheitlichen, patientenbezogenen Medikationsplans (Version 2.0- aktualisiert)

Ein bedeutender Faktor zur Vermeidung von Medikationsfehlern ist die schnelle und korrekte Übermittlung von Informationen zur Arzneimitteltherapie. Zur Verbesserung der intersektoralen Kommunikation wurde im Aktionsplan AMTS eine Spezifikation für einen einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplan erarbeitet (1).

Diese Spezifikation beschreibt detailliert den Aufbau und die Verwendung der einzelnen Datenfelder sowie das genaue Aussehen des Medikationsplans. Die schnelle Übertragung der Information zur Medikation des Patienten wird durch einen 2D-Barcode unterstützt.

Bei der Erstellung der Spezifikation wurden alle an der Arzneimitteltherapie beteiligten Gruppen (Ärzte, Apotheker, Patienten, Pflegende, Bundesoberbehörden, Vertreter von stationären und niedergelassenen medizinischen Eirichtungen) sowie die Softwarehersteller beteiligt.

Mit der nun bereit stehenden aktualisierten Version 2.0 liegt eine breit abgestimmte Version vor, die von den Herstellern von Praxis-, Krankenhaus- und Apothekenverwaltungs-Software-Systemen genutzt werden kann, um die Erstellung und den Ausdruck eines Medikationsplans zu unterstützen.

Änderungen

Die Änderungen zwischen der Version 2.0 und der aktualisierten Version 2.0 sind im Änderungsdokument beschrieben:

Vorgängerversionen

Die Vorgängerversionen (Version 1.3 und 2.0) finden sie hier.

Referenzinformationsmodell (RIM)

Zur Spezifikation gehört auch ein Referenzinformationsmodell (RIM) das in einem vom BMG innerhalb des Aktionsplans AMTS geförderten Projektes (II A 5 - 2513 ATS 004) erarbeitet wurde.

Implementierungsleitfaden

Für Software-Entwickler wurde mit dem Ziel besserer Interoperabilität und möglicher Zertifizierung der Produkte ein Implementierungsleitfaden entwickelt.

Schlüsseltabellen - CSV

Für die Software-Entwickler sind hier alle Schlüsseltabellen aus der Spezifikation als CSV-Dateien bereitgestellt:

  • Anlage 2   Schlüsselworte (Code; Bedeutung; Text; Alternativtext)
  • Anlage 6   Darreichungsformen (Code; Text; Bedeutung)
  • Anlage 7   Dosiereinheiten (Code; Text; Bedeutung)
  • Anlage 8   derzeit Freitext, Katalog folgt nach Entscheidung der Koordinierungsgruppe
  • Anlage 9   derzeit Freitext, Katalog folgt nach Entscheidung der Koordinierungsgruppe

Kompatible Geräte und Software

Für die Erstellung des Medikationsplans genügen handelsübliche Drucker. Es wird keine besondere Hardwareausstattung benötigt. Je nach Qualität des verwendeten Druckers kann es aber in einzelnen Fällen zu Schwierigkeiten beim Einlesen des Barcodes kommen. Das Einlesen des Barcodes setzt das Vorhandensein eines Datamatrix-fähigen 2D-Barcode-Scanners voraus. Bisher wird an dieser Stelle keine Kompatibilitätsliste geführt. Einige wichtige Hinweise zu Scanner, Software oder Voraussetzungen zu Druckern finden sich in (2).

Literatur

  1. Aly A-F: Arzneimitteltherapiesicherheit: Medikationsplan für den Überblick. Dtsch Ärztebl 2013; 110: A 751–752.
  2. Duesberg F, Hellmann G (Hrsg.): Sonderausgabe Medikationsplan / AMTS; Special Edition Medication List / Medication Safety; Édition Spéciale Plan de Médication / Sécurité des Traitments Médicamenteux. In e-Health 2014, medical future verlag, Solingen, 2014